Nachhaltige Investments
Industrie 4.0 – Treiber für Zukunftsfähigkeit?

Ein Umbruch naht: Reale und virtuelle Welt verschmelzen. Die Digitalisierung ermöglicht auch Innovationen für ein öko-sozial verträglicheres Wirtschaften – wenn denn das Potenzial genutzt wird.

BerlinSie steigen in Ihr Auto, geben in Ihre Armbanduhr einen Zielort ein und greifen zur Regionalzeitung – dem letzten nicht-digitalen Produkt, das Sie sich leisten. Während Sie einen Beitrag zu Ihrem Fußballverein lesen und sich dann auf dem Bildschirm die aktuellen Börsenkurse ansehen, fährt Ihr Auto Sie zu Ihrem heutigen Arbeitsplatz. Sie kommen ohne Stau, unfallfrei, gut informiert und ausgeruht an – wie alle anderen. Vor Ort überwachen Sie, wie unzählige Roboter selbstständig Produkte fertigen.

Noch ist das nicht real, aber in der Erprobung. Hierfür steht in Deutschland das Schlagwort „Industrie 4.0“ nahezu täglich in allen Medien. Der Begriff wird geradezu inflationär gebraucht, seit ihn die Hannover Messe im Frühjahr zu ihrem Leitthema machte. International ist eher die Rede vom „Internet der Dinge“ (engl. Kürzel: IoT), in dem – durch das Internet getrieben – reale und virtuelle Welt zusammenwachsen. Es naht ein neues industrielles Zeitalter mit der Nutzung von Informationstechnik und Internet für die Fertigung in viel größeren Dimensionen als bisher.

Industrie 4.0 steht für eine vierte industrielle Revolution, die zu einer Digital-Ökonomie führen soll: „Intelligente Maschinen werden in Produktionssystemen und Prozessen zu einem ausgereiften Netzwerk verknüpft. Die reale Welt wandelt sich in ein großes Informationsnetzwerk“, heißt es etwas theatralisch in einem Bericht von Roland Berger.

De facto wird seit 2011 davon gesprochen, die frühere digitale Revolution durch eine virtuelle Industrialisierung zu erweitern (siehe Kontext). Das würde die Umwandlung aller Produktionstechniken bewirken, ebenso wie die von Produkten. Der Begriff Industrie 4.0 wurde mit geprägt durch ein gleichnamiges Zukunftsprojekt der deutschen Bundesregierung im Rahmen ihrer Hightech-Strategie, mit dem sie die Industrie unterstützen will, diese „Revolution“ aktiv mit zu gestalten.

Viel länger schon, seit den 90er Jahren, fordern Wissenschaftler und Anspruchsgruppen eine andere industrielle Revolution: eine grundlegende ökologisch-soziale Wende oder „große Transformation“ aller Wertschöpfungsketten, so dass sie Umwelt und Gesellschaft nicht mehr durch Produktion, Produkte und Konsum belasten. Bisher ist von dieser Revolution aber noch nicht wirklich viel zu spüren.

Stattdessen hat Industrie 4.0 einen Hype ausgelöst. Aber vielleicht ist die industrielle Digitalisierung als Innovationstreiber für mehr Nachhaltigkeit nutzbar. Denn intelligente Fabriken sollen sich durch Energie- und Ressourceneffizienz und ergonomische Gestaltung auszeichnen, intelligente Roboter den Menschen von schwerer Arbeit entlasten.´

Chancen für ressourcenleichtes Produzieren und die drastische Verringerung des Ressourcenverbrauchs bietet beispielsweise das 3D-Drucken, ein bereits in größeren Serien angewendetes Verfahren. Früher wurden beispielsweise Sitzlehnen in massiver Art gegossen. Eine 3D-Sitzlehne hingegen besteht aus Streben und vielen Hohlräumen, die Stabilität bieten, das Produkt wesentlich leichter machen, den Rohstoffeinsatz enorm verringern und viel weniger Abfall verursachen.

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Handelsblatt-Magazin Nachhaltige Investments.

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Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin
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