Nachhaltige Investments

Unternehmen müssen mehr tun

Eine Investoreninitiative konstatiert Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel. Aber sie fordert mehr Ambitionen, denn das Wachstum der Unternehmen macht Energieeinsparung oft zunichte.
Ein Auto fährt am 25.06.2013 in Hannover (Niedersachsen) an einem Schild mit der Aufschrift "CO2-frei mobil!" vorbei. Quelle: dpa
CO2-Grenzwerte

Ein Auto fährt am 25.06.2013 in Hannover (Niedersachsen) an einem Schild mit der Aufschrift "CO2-frei mobil!" vorbei.

(Foto: dpa)

Weltweit tun Unternehmen deutlich mehr für den Klimaschutz als noch vor fünf Jahren und managen ihre Klimarisiken besser. „Trotzdem zeigen die Daten auch, dass viel mehr nötig ist, wenn wir einen gefährlichen Klimawandel verhindern wollen.“ Das folgert die Investoreninitiative CDP aus ihrer diesjährigen Analyse von börsennotierten Unternehmen, die 55 Prozent der Marktkapitalisierung der weltweit gelisteten Unternehmen ausmachen. Die nicht gewinnorientierte Organisation arbeitet im Auftrag von 822 Investoren mit addiert 86 Billionen Euro Anlagevermögen.

Von den 5500 befragten, kapitalstärksten Unternehmen der Welt haben allerdings nur 2000 klimabezogene Informationen über die CDP-Plattform veröffentlicht. Ihr Anteil an der globalen Marktkapitalisierung beträgt 35 Prozent. Vor fünf Jahren hatten immerhin 1800 von 4000 Unternehmen geantwortet. Die nun viel niedrigere Antwortquote erklärt sich demnach nur zum Teil aus der erweiterten Befragung.

Wie die Unternehmen abschneiden, zeigt das erstmals veröffentlichte weltweite Klimaranking, in das die Bewertungen Transparenz und Klimaschutzleistungen einfließen. Hierdurch ist jedes Unternehmen online mit Wettbewerbern vergleichbar.

In einer „Climate A List“ führt das CDP diejenigen, die es „für ihre herausragenden Klimaschutzleistungen“ auf beiden Feldern auszeichnet. Das haben nur 113 Unternehmen geschafft. Fast die Hälfte sind europäischen Ursprungs, Spanien und Großbritannien führen. Aus dem deutschsprachigen Raum (DACH) kommen 13 Unternehmen. Im Klimaranking gibt es allerdings ein paar Ungereimtheiten.

So heizen Sie im grünen Bereich – und sparen Geld
Neue EU-Regeln
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Pünktlich zum Start der Heizsaison will die EU den Energieverbrauch von Heizungen und Warmwasserbereitern verringern. Alle Geräte, die künftig auf den Markt kommen, müssen energiesparender sein und die EU-Regeln einhalten. Energiefresser werden nach einer Übergangsfrist ganz verboten. Das soll Bürgern beim Stromsparen helfen und das Klima schützen. Ähnliche Auflagen gelten bereits für Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler und Kühlschränke.

Was änderte sich am 26. September?
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Die sogenannte Ökodesign-Richtlinie schreibt der Industrie vor, Produkte umweltgerecht zu gestalten, so dass sie wenig Strom verbrauchen. Heizungsanlagen und Warmwasserbereiter müssen von nun an im Handel ein Energie-Etikett tragen. Für eine bestimmte Leistung dürfen sie nicht mehr als eine bestimmte Energiemenge verbrauchen. Die Kennzeichnungspflicht umfasst laut Industrie Heizgeräte, Heizkessel und Warmwasserbereiter bis 70 Kilowatt, Warmwasserspeicher bis 500 Liter Speichervolumen und Wärmepumpen. Auch Kombinationen dieser Produkte mit Regelungstechnik und Solarunterstützung als Verbundanlage gehören dazu. Es geht dabei nur um neue Geräte.

Was besagt das Energielabel?
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Es gibt an, wie effizient das Gerät mit Energie - etwa Gas, Strom oder Öl - umgeht. Eine Farbskala von grünem A (besonders sparsam) bis rotem G weist den Energieverbrauch aus. So werden zum Beispiel Gas- und Ölheizungen mit Brennwerttechnik in der Regel mit dem sparsamen Buchstaben A bewertet.

Wie viel Geld können Verbraucher sparen?
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Wer seinen alten Boiler gegen einen neuen austauscht, kann laut EU-Kommission bis zu 275 Euro pro Haushalt im Jahr sparen. Neue Geräte benötigten oft nur halb so viel Energie wie alte. Da Heizungen die größten Energieverbraucher im Haushalt sind, können Verbraucher auch da sparen. Private Haushalte verwenden nach Angaben der SPD-Europaabgeordneten Martina Werner im Schnitt 6,4 Prozent ihres Einkommens für den wohnbezogenen Energieverbrauch - davon entfallen ungefähr zwei Drittel auf Heizungskosten. Die EU-Kommission erwartet übrigens nicht, dass die Hersteller die Kosten für neue Geräte wesentlich anheben werden.

Aber hängen die Kosten nicht auch von der Energieart ab?
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Doch. Verbraucher dürften die Aussagekraft des Labels nicht überschätzen, mahnt das Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO). Denn bei Heizgeräten sind die Kosten - unabhängig vom Label - ganz verschieden - je nachdem ob Strom, Gas oder Öl gebraucht wird. Im August lagen die Kosten für einen Liter Heizöl im Schnitt gut 20 Prozent unter dem Preis für die entsprechende Energiemenge Erdgas. Zudem kommt es beim Heizen nicht nur auf das einzelne Heizgerät an, sondern auch auf andere Faktoren wie das Alter des Gebäudes oder die Verglasung der Fenster. Die EU-Kommission empfiehlt erneuerbare Energien zu nutzen wie Sonnenkollektoren oder Wärmepumpen.

Sind die neuen EU-Regeln sinnvoll?
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Ja, sagt der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese: „Die Einsparung von Energie und damit CO2 sind ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Treibhausgase und ein wichtiges Signal der Europäischen Union auf dem Weg zur Klimakonferenz in Paris.“ Auch Verbraucherschützer sind zufrieden: „Das reduziert Kosten und ist gut für das Klima“, sagt Monique Goyens von der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc.

Und was hält die Industrie von dem Label?
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Die ist vorbereitet - zumal das Vorhaben lange angekündigt war und es auch für andere Hausgeräte bereits Energielabel gibt. Handwerker und Installateure hoffen auf neue Aufträge. Die EU-Vorgaben seien „klare Impulse, die helfen, den langersehnten Modernisierungsstau in deutschen Kellern aufzulösen“, schreibt der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK).

So schneiden Eon, Siemens oder Thyssen-Krupp sehr gut oder fast sehr gut ab, während Firmen, deren Kerngeschäft der Klimaschutz ist, nur auf B-Noten kommen, etwa Solar World. Nur ein E hat Windenergiehersteller Nordex erhalten. Auch Energieversorger MVV hat nur ein C bekommen, obwohl er mehr als die Hälfte des Stroms durch Kraft-Wärme-Koppelung und Erneuerbare Energieträger herstellt. „Das
liegt an einer schlechten Berichterstattung“, erklärt Susan Dreyer, Direktorin der DACH-Region.

Die Bewertung belohne Veränderungen sowie die strategische Durchdringung von Zielen, Geschäftsprozessen und Anreizsystemen. Für nachhaltige Firmen dürfte dies leicht zu belegen sein - tun es aber nicht, so Dreyer. Würden sie sich an das Ranking halten, müssten sie Solar World oder Nordex schwächer gewichten.

Unternehmen seien bereit, ihr volles Potenzial für den Klimaschutz zu entfalten, sagte CDPs Vorstandschef und Mitbegründer Paul Dickinson. Er rief die Politiker, die sich in Kürze auf dem Klimagipfel in Paris treffen, dazu auf, ambitionierte politische Richtlinien auf nationalem wie internationalem Niveau zu sorgen, die die Unternehmen für ihre Klimaaktivitäten unterstützen und vorantreiben. Weltweit unterstützen 805 der 2000 Unternehmen einen Klimavertrag in Paris, der die Weltgemeinschaft auf 2° Celsius maximale durchschnittliche Erderwärmung bindet.

Wertschöpfungsketten werden nur unzureichend verstanden
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