Nachhaltiges Wirtschaften schont die Ressourcen und sichert das Geschäft
Wer Verantwortung zeigt, muss auch verzichten

Werden natürliche Ressourcen weiter im heutigen Tempo abgebaut und soziale Verhältnisse vernachlässigt, so warnen Experten, zerstört das die Basis der Wirtschaft und die Lebensgrundlage der nächsten Generationen. Vorboten sind die Preisexplosionen bei Rohstoffen, Umweltkatastrophen wie der Tsunami oder zunehmender Fanatismus und Terror infolge von Armut in Entwicklungsländern. Durch die Globalisierung wächst den Unternehmen mehr Verantwortung dafür zu, denn sie beeinflussen durch Investitionen, Produktion und Handel ökonomische, ökologische und soziale Zustände überall auf der Welt mindestens so stark wie die Politik.

BERLIN. Doch viele Unternehmen bekennen sich erst bei Skandalen zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Corporate Social Responsibility (CSR), so der inzwischen international etablierte Begriff für die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft, bedeutet jedoch nicht einfach, Gutes zu tun. Glaubhaft wirkt nicht, wer das Umwelt-, Sozial- oder Sportsponsoring seines Unternehmens neben die Wirtschaftskraft stellt.

"CSR ist keine zusätzliche Aktivität, sondern es geht um die Art, das Kerngeschäft zu betreiben", sagt Ulrich Steger vom Institut für Managemententwicklung (IMD) in Lausanne. CSR bedeute, nachhaltig zu wirtschaften: ökologisch, sozial und ethisch verantwortlich und dabei wirtschaftlich erfolgreich. Nur fünf bis zehn Prozent der Unternehmen tun dies, so schätzen Experten. Selbst führende Konzerne konzentrieren sich meist nur auf öffentlichkeitswirksame Projekte, zeigt eine IMD-Studie. "Die Integration von CSR in alle Geschäftsprozesse steht erst am Anfang", stellt Steger fest.

Ein Beispiel dafür, wie man es macht, ist der niederländische Konsumgüterkonzern Unilever. Der größte Weißfischverarbeiter der Welt stellt ab Mai alle Fischstäbchenprodukte und somit 40 Prozent des Fischsortiments der Tochter Iglo nur aus bestandserhaltender Fischerei her. Dabei wird nur so viel Fisch gefangen, dass die Meerespopulationen langfristig im Gleichgewicht bleiben oder sich gefährdete Bestände erholen können. Weltweit sind viele Hauptfischarten vom Aussterben bedroht, darunter laut EU-Kommission Hering, Makrele, Kabeljau, Scholle und Seezunge.

Unilever setzte sich 1996 das ehrgeizige Ziel, bis 2005 allen Fisch aus nachhaltigem Fischfang zu erwerben. Vorstandschef Antony Burgmans gab mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) den Anstoß zur Gründung des Marine Stewardship Council (MSC). Das unabhängige Institut zertifiziert nachhaltig wirtschaftende Fischfangbetriebe. Weil dies länger dauert als erwartet, hat der Konzern sein Ziel noch nicht erreicht. "Wir sind aber sehr froh, dass Unilever die Initiative ergriff. Es ist eine gewaltige Sache, da sie den Markt in Bewegung bringt", urteilt Carel Driver, Leiter der Abteilung Ozeane und Küsten der niederländischen WWF-Sektion. Was sein Engagement bringt, formuliert Burgmans so: "Nachhaltiges Wirtschaften garantiert die Lebensfähigkeit des Konzerns und steht im Interesse von Verbrauchern und Aktionären."

Es erfordert die Verantwortung für alle Produktlebensphasen, von der Rohstoffgewinnung über Entwicklung, Produktion bis zur Wiederverwendung gebrauchter Güter. Siemens Medizintechnik gehört zu den Unternehmen mit einer solchen "Integrierten Produktpolitik" (IPP). Sie beginnt beim Design: Das Röntgensystem Axiom Iconos R200 etwa hat gegenüber dem Vorgängermodell 70 Prozent weniger Bauteile, 93 Prozent weniger Röntgenstrahlen und verbraucht drastisch weniger Energie.

Durch ein europaweites Rücknahmesystem sollen die Entsorgungskosten der Sparte nächstes Jahr auf null sinken. Altgeräte werden nicht recycelt, sondern generalüberholt und wieder veräußert. So schuf die Sparte ein neues Gewinn bringendes Geschäftsfeld, wie der Leiter Umweltschutz, Freimut Schröder, berichtet. Alternativ nutzt man Altgeräte als Komponenten- und Ersatzteillager.

Verantwortliches Handeln heißt auch Verzicht. Der Konsumgüterkonzern Henkel beispielsweise entwickelte Pattex-Kleber ohne das Lösungsmittel Toluol, weil lateinamerikanische Kinder es wie eine Droge schnüffelten. Da der neue Kleber nicht so gut roch, brach der Marktanteil in Chile ein. Die Düsseldorfer blieben beharrlich. Unter ihrem Einfluss verbot Chile schließlich 1998 Toluol. Henkel blieb zwar Marktführer, gewann aber verlorene Anteile nicht zurück. "Wirtschaftlich war das keine Erfolgsstory, aber wir haben eine ethische Verantwortung und müssen ein Portfolio haben, wozu wir stehen, selbst wenn wir mal Geschäfte verlieren", betont Wolfgang Klauck, Leiter Produktentwicklung Klebstoffe. Das sei eine Frage der Glaubwürdigkeit.

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