Nachhaltigkeit
Greenpeace gibt VCI-Chef positives Echo

In seiner Antrittsrede hielt der neue Chemieverbandspräsident Klaus Engel ein Nachhaltigkeitsplädoyer und bedankte sich bei der Ökobewegung. Greenpeace begrüßte jetzt diese Einsicht, mahnte aber weiterhin, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch eine zu große Lücke klaffe.
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DÜSSELDORF. Die Anerkennung der Ökobewegung für die deutsche Wirtschaft, wie sie der Chef des Chemieverbandes VCI, Klaus Engel, vergangenen Freitag öffentlich äußerte, ist bei der Umweltorganisation Greenpeace auf positive Resonanz gestoßen. "Wir begrüßen die Einsicht von VCI-Chef Engel, dass Nachhaltigkeit in den Produktions- und Wirtschaftsabläufen wichtig ist", sagte Manfred Santen, Chemieexperte von Greenpeace Deutschland, dem Handelsblatt.

Der neue VCI-Chef Engel hatte vergangenen Freitag in einer Rede vor der Ruhruniversität Bochum der Ökobewegung seinen persönlichen Dank ausgesprochen. Sie habe dafür gesorgt, dass der "Gedanke der Nachhaltigkeit in unsere Produktions- und Wirtschaftsabläufe viel stärker verankert wurde", sagte Engel. Dass Engel vor der Umweltbewegung den Hut zieht, hält Greenpeace aber nicht von Kritik an der Industrie ab: "Allerdings sehen wir auch, dass die deutsche Chemieindustrie noch weit davon entfernt ist, dem auch von ihr verwendeten Anspruch auf Nachhaltigkeit gerecht zu werden", sagte Santen. Die Umweltschutzorganisation sei generell bereit, den angebotenen "offenen und fairen Dialog" zu führen - wenn es denn einer sei.

VCI-Präsident Engel, der den Essener Evonik-Konzern führt, hatte auch angemahnt, die Ängste der Bevölkerung bei Großprojekten wie etwa dem Bau neuer Kraftwerke ernst zu nehmen. Es genüge nicht, Proteste aus naturwissenschaftlicher Sicht zu widerlegen. Die Industrie müsse sich auch auf Argumente einlassen, die auf Gefühle der Betroffenen bauten, sagte Engel mit Verweis auf eine sich ausbreitende Technologie- und Innovationsfeindlichkeit in Deutschland.

Technologiefeindlichkeit steigt

So würden von 37 Kraftwerksprojekten der deutschen Industrie derzeit nur neun wirklich gebaut. In allen anderen Fällen gebe es keine behördlichen Genehmigungen, oder die Unternehmen hätten wegen des Widerstandes aus der Bevölkerung aufgegeben. "Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt davon ab, ob wir diesen Dialog ernsthaft und verständnisvoll führen", sagte Engel.

Offizielle Resonanz aus den Unternehmen der Chemiebranche gab es auf Engels Rede nicht. Auch wenn einzelne Manager die Haltung des Industrieverbands-Vorsitzenden vielleicht nicht teilen, so dürfte sein Vorstoß mit Branchenvertretern abgestimmt sein, mutmaßen Insider. Als Vertreter der Energiebranche betont Ingo Luge, Vorstandsvorsitzender der Eon Energie AG in München, die Bedeutung des gesellschaftlichen Dialogs. Gleichwohl sieht der Manager Großprojekte als notwendig an: "Deutschland verfügt in vielen Industriebereichen über führende Technologien.

Das stärkt uns im internationalen Wettbewerb und beflügelt den aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung. Damit das so bleibt, brauchen wir auch in Zukunft industrielle Großprojekte." Grundlage dafür sei ein gesellschaftlicher Dialog in Offenheit, gegenseitiger Wertschätzung und einer sachlichen Diskussionskultur, der über die lautstarke Äußerung von Einzelinteressen hinausgehe, sagte Luge. Auch Rolf Martin Schmitz, Vorstand des Energiekonzerns RWE, warnt, dass sich ein hoch entwickeltes Industrieland wie Deutschland Misstrauen gegen Innovation nicht leisten könne. "Auf eine moderne Infrastruktur, die uns in die Zukunft führt, sind wir dringend angewiesen."

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