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29.03.2007 
Effiziente Ressourcennutzung

Nachhaltigkeit schafft Werte

von Susanne Bergius

Forscher des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung haben berechnet, wie effizient deutsche Konzerne ihre Ressourcen nutzen. Bayer, zum Beispiel, setzt sie 1,6 Mal effizienter ein als andere Chemieunternehmen. Eon dagegen vernichtet mit seiner Politik Milliarden Euro an Wert. Am Donnerstag stellte das Institut seine Studie vor.

Bosch setzt seine Mittel viermal effizienter ein als der Durchschnitt der untersuchten deutschen Unternehmen. Foto: ArchivLupe

Bosch setzt seine Mittel viermal effizienter ein als der Durchschnitt der untersuchten deutschen Unternehmen. Foto: Archiv

BERLIN. Die Unternehmen Daimler-Chrysler, Bosch, Deutsche Telekom und BWM haben 2004 einen nachhaltigen Mehrwert („Sustainable Value“) von acht bis 15 Mrd. Euro geschaffen. „Sie haben Umweltschutz mit sicheren Arbeitsplätzen und wirtschaftlichem Erfolg verbunden“, urteilt Tobias Hahn, Wissenschaftler beim Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin. Eine entsprechende Studie stellt das IZT am Donnerstag vor.

Hierin werden Umwelt- und Sozialleistungen von deutschen Konzernen in Geldwert umgerechnet. „Damit verfolgt unser ‚Sustainable-Value-Ansatz' der Bewertungslogik der Finanzmärkte: Er vergleicht die Ressourceneffizienz von Unternehmen mit der des Marktes – genau so wie auf dem Finanzmarkt die Kapitalrendite mit der Marktrendite verglichen wird“, sagt Frank Figge vom schottischen Sustainable Developement Research Centre (SDRC), das an der Studie beteiligt war.

Von den bewerteten 28 deutschen Unternehmen schufen nur 17 mit ihren ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen einen Mehrwert. Die übrigen vernichteten vielfach Milliardensummen. Maßstab sind der volkswirtschaftliche sowie der Branchendurchschnitt, womit der Forderung von Firmen wie Robert Bosch nach echter Vergleichbarkeit entsprochen wird.

Daimler-Chrysler erzielte zwar den höchsten absoluten Euro-Wert. „Der Autobauer ist jedoch nicht das effizienteste Unternehmen“, sagt Hahn. Andere Firmen wirtschafteten effizienter, erzielten aber, weil sie kleiner seien, einen niedrigeren absoluten Mehrwert. „Die höchste Nachhaltigkeitseffizienz hat BMW, denn der Hersteller setzt seine Ressourcen fünf Mal effizienter ein als die deutsche Volkswirtschaft.“ Bosch wirtschaftete mit seinen Ressourcen fast vier Mal effizienter als die deutsche Volkswirtschaft, die Deutsche Telekom 2,8 Mal besser, Henkel 1,7 Mal.

Bei den Chemieunternehmen setzte Bayer seine Ressourcen 1,6 Mal effizienter ein als andere. BASF zog aus seinen Ressourcen 3,1 Mal mehr Ertrag als Celanese. BASF stellte kürzlich eine Methode zur Bewertung und Steuerung der Nachhaltigkeit von Produkten und Herstellungsverfahren vor. Der Konzern erweiterte die seit Jahren praktizierte Ökoeffizienz-Analyse um soziale Aspekte wie Beschäftigtenzahl, mögliche Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle, Löhne, Gehälter sowie Forschungsinvestitionen.

Eon und RWE hingegen nutzen der Studie zufolge ihre Ressourcen 14 Mal ineffizienter als der volkswirtschaftliche Durchschnitt. Wegen hoher Kapital- und Umweltintensität hätten sie je mehr als 140 Mrd. Euro an Wert vernichtet. Die Forscher hätten gerne mehr Unternehmen bewertet. „Aber bei den Logistikdienstleistern, außer der Deutschen Bahn, sowie bei Siemens, Deutscher Post, Lufthansa und EnBW waren die Daten unzureichend“, sagt Hahn.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einige Wissenschaftler kritisieren die Monetarisierungsversuche.

Die Wissenschaftler wollen ihre Bewertungsmethode für Manager nutzbar machen und in der Praxis erproben. Damit sollen Unternehmen Nachhaltigkeitsaspekte wie Treibhausgasemissionen genauso messen und steuern können wie den Einsatz von Kapital. Das Ziel „halten wir zwar einerseits für erstrebenswert, andererseits aber noch für Zukunftsmusik“, sagt Bernhard Schwager von der Robert Bosch GmbH. Würden derartige, unterstützende Controllinginstrumente entwickelt, wäre das eine große Hilfe für viele Entscheidungen.

Einige Wissenschaftler kritisieren dagegen die Monetarisierungsversuche: „Dinge außerhalb des Marktes haben keine Marktpreise – eine Monetarisierung von Nachhaltigkeitsleistungen ist daher nicht möglich. Sie ist auch unwichtig, solange Unternehmen ökologische oder soziale Effekte nicht internalisieren können“, urteilt Prof. Ulrich Steger vom Institute for International Management Development (IMD) in Lausanne.

Die Unternehmen, die sich aktiv um nachhaltiges Wirtschaften bemühen, täten dies, „weil es richtig und gut ist“, selbst wenn es nicht finanziell messbar sei. Das zeige die Praxis. „Forschung zur Monetarisierung ist daher irrelevant. Wichtig ist, Inhalte nachhaltigen Wirtschaftens und konkrete Aktionsmöglichkeiten klar zu machen“, meint Steger.


Die Methode

Nutzen: Die „Sustainable-Value“-Methode von IZT und SDRC bewertet den Nutzen nachhaltigen Wirtschaftens in Euro. Bislang hat die Wissenschaft nur versucht, den volkswirtschaftlichen Schaden von Umweltbelastungen und sozialen Problemen zu ermitteln.

Kriterien: Die Wissenschaftler prüften mit dem neuen Ansatz, wie 28 deutsche Unternehmen von 2000 bis 2004 ihre ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen genutzt haben. Kriterien sind unter anderem Kapitaleinsatz, CO2-Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallmenge, Belegschaft und Zahl der Arbeitsunfälle.

Schwäche: „Die Monetarisierung gibt nur einen kleinen Ausschnitt des komplexen Gesamtbildes nachhaltigen Wirtschaftens wieder“, bemängelt Prof. Joachim Schwalbach vom Institut für Management der Berliner Humboldt-Universität. Erfolgsfaktoren wie Mitarbeitermotivation, Kundenzufriedenheit oder Zuliefererstabilität lassen sich in Geld ebenso wenig messen wie der Schutz von Biotopen und der Erhalt von Arten.

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