Die Wissenschaftler wollen ihre Bewertungsmethode für Manager nutzbar machen und in der Praxis erproben. Damit sollen Unternehmen Nachhaltigkeitsaspekte wie Treibhausgasemissionen genauso messen und steuern können wie den Einsatz von Kapital. Das Ziel „halten wir zwar einerseits für erstrebenswert, andererseits aber noch für Zukunftsmusik“, sagt Bernhard Schwager von der Robert Bosch GmbH. Würden derartige, unterstützende Controllinginstrumente entwickelt, wäre das eine große Hilfe für viele Entscheidungen.
Einige Wissenschaftler kritisieren dagegen die Monetarisierungsversuche: „Dinge außerhalb des Marktes haben keine Marktpreise – eine Monetarisierung von Nachhaltigkeitsleistungen ist daher nicht möglich. Sie ist auch unwichtig, solange Unternehmen ökologische oder soziale Effekte nicht internalisieren können“, urteilt Prof. Ulrich Steger vom Institute for International Management Development (IMD) in Lausanne.
Die Unternehmen, die sich aktiv um nachhaltiges Wirtschaften bemühen, täten dies, „weil es richtig und gut ist“, selbst wenn es nicht finanziell messbar sei. Das zeige die Praxis. „Forschung zur Monetarisierung ist daher irrelevant. Wichtig ist, Inhalte nachhaltigen Wirtschaftens und konkrete Aktionsmöglichkeiten klar zu machen“, meint Steger.
Die Methode
Nutzen: Die „Sustainable-Value“-Methode von IZT und SDRC bewertet den Nutzen nachhaltigen Wirtschaftens in Euro. Bislang hat die Wissenschaft nur versucht, den volkswirtschaftlichen Schaden von Umweltbelastungen und sozialen Problemen zu ermitteln.
Kriterien: Die Wissenschaftler prüften mit dem neuen Ansatz, wie 28 deutsche Unternehmen von 2000 bis 2004 ihre ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen genutzt haben. Kriterien sind unter anderem Kapitaleinsatz, CO2-Emissionen, Wasserverbrauch, Abfallmenge, Belegschaft und Zahl der Arbeitsunfälle.
Schwäche: „Die Monetarisierung gibt nur einen kleinen Ausschnitt des komplexen Gesamtbildes nachhaltigen Wirtschaftens wieder“, bemängelt Prof. Joachim Schwalbach vom Institut für Management der Berliner Humboldt-Universität. Erfolgsfaktoren wie Mitarbeitermotivation, Kundenzufriedenheit oder Zuliefererstabilität lassen sich in Geld ebenso wenig messen wie der Schutz von Biotopen und der Erhalt von Arten.

