Nanotechnik
Russlands Hightech-Erfolge

Mit viel Geld versucht der russische Staat, in der Krise die Modernisierung der Wirtschaft voranzutreiben und den Abstand in der Hightech-Produktion zu anderen Industrieländern zu überwinden. Die Lieblingsbranche des Kreml hat viele Ideen, aber noch wenig Produkte.
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MOSKAU. Maxim Odnobljudow ist ein gefragter Mann - Präsentationen, Diskussionen, Gespräche: Der 36-jährige Physiker aus St. Petersburg hat es mit seiner Firma Optogan zum Aushängeschild einer jungen Branche in Russland gebracht: der Nanotechnologie. Rusnano, ein vor zwei Jahren gegründetes Staatsunternehmen, darf bis zum Jahr 2015 knapp vier Mrd. Dollar in den Aufbau des Sektors pumpen. Odnobljudow will mit seiner Firma davon profitieren und in Russland eine Massenproduktion für LED-Lampen aufbauen.

Mit viel Geld versucht der russische Staat, in der Krise die Modernisierung der Wirtschaft voranzutreiben und den Abstand in der Hightechproduktion zu anderen Industrieländern zu überwinden. Doch die Erfolge sind noch klein: Rusnano hängt in den Geburtswehen.

"Nano" ist dafür eines der Lieblingsprojekte von Russlands Führungsduo aus Kremlchef Dmitrij Medwedjew und Premier Wladimir Putin. Tausende neue Arbeitsplätze sollen in den kommenden Jahren entstehen. An der Spitze von Rusnano sitzt einer der einflussreichsten Manager Russlands, Anatolij Tschubais. Doch der Ex-Politiker, der sich einen Namen bei der Liberalisierung des Strommarkts gemacht hat, hat mit erheblichen Startschwierigkeiten zu kämpfen und bereits wegen des Verdachts der Verschwendung staatlicher Mittel den Zorn des Kreml auf sich gezogen.

Auf einer großen Industriemesse in Moskau kann er zwar viele gute Ideen für Produkte präsentieren, doch die Erfolge bleiben bisher noch hinter den hohen Erwartungen zurück. Optogan - immerhin - ist schon recht weit. "Es fehlt in Russland noch eine Verbindung zwischen Forschern, die gute Ideen für Produkte haben, und der dafür nötigen Finanzierung", sagt Odnobljudow.

Er ist mit seinen Partnern daher ins Ausland gegangen: erst nach Finnland, dann nach Deutschland. In Finnland, so der Firmengründer, gebe es genügend Venture Capital und vor allem die nötige technische Infrastruktur - in Russland nach wie vor ein Problem. Für den Start und die Finanzierung der Testproduktion wechselte Odnobljudow dann in ein Inkubator-Zentrum der Stadt Dortmund. Von den zehn dort ansässigen jungen Firmen kommt die Hälfte aus Russland. In Dortmund will er weiter einen Forschungs-Standort behalten - auch wenn die Produktion nach Russland gehen soll.

Inzwischen hat Optogan einen prominenten Großaktionär: den Oligarchen Michail Prochorow, derzeit nach der Forbes-Liste mit rund 9,5 Mrd. Dollar der reichste Russe. Rusnano ist mit 17 Prozent beteiligt. Für die Staatsholding ist Optogan vor allem so vorzeigbar, weil sich am Beispiel des LED-Entwicklers zeigen lässt: Seht her, russische Spezialisten kommen aus dem Ausland wieder zurück in die Heimat.

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