Negativer Ausblick
Deutsche Autoindustrie verliert den Optimismus

Die Krise in Südeuropa belastet Europas Autohersteller - doch bisher schienen die Deutschen immun gegen die Krisenfolgen zu sein. Die Halbjahresbilanz der Autoindustrie zeigt aber, dass die Ansteckungsgefahr wächst.
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Düsseldorf"Wir stellen uns auf noch stürmischere Zeiten ein", sagt VDA-Verbandspräsident Matthias Wissmann bei der Präsentation der Halbjahresbilanz des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die Folgen der Schuldenkrise in Südeuropa werden auch für die deutschen Automobilhersteller zur Gefahr - eine Erholung der Pkw-Nachfrage sei auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Die deutschen Hersteller behaupteten sich aufgrund ihrer starken Stellung in den USA und China jedoch besser als viele ihrer Rivalen. In Deutschland stiegen die Pkw-Neuzulassungen nach VDA-Angaben im Juni um drei Prozent. Damit hielt sich die Nachfrage an Europas größtem Pkw-Markt im ersten Halbjahr stabil, während sie sich in den meisten Nachbarländern im Rückwärtsgang befindet.

Im Mai waren die Pkw-Neuzulassungen in der Europäischen Union um 8,7 Prozent auf 1,106 Millionen Fahrzeuge gesunken, insgesamt lag das Minus in den ersten fünf Monaten bei 7,7 Prozent. Besonders in Südeuropa geht die Angst um. Bei Renault und Fiat brachen die Verkäufe zuletzt massiv ein. Wissmann erwartet für den EU-Automarkt für das Gesamtjahr ein Minus von 5 Prozent. Die massiven Überkapazitäten verhageln die Bilanzen.

Fiat spielt darum mit dem Gedanken, zwei Werke in Italien zu schließen. Die Verkäufe in Europa sind eingebrochen. Ohne die guten Ergebnisse der US-Tochter Chrysler stünden die Italiener noch schlechter da. Seit Monaten macht sich Fiat-Chef Sergio Marchionne dafür stark, dass die Autohersteller ihre Überkapazitäten gemeinsam abbauen und sich dafür mit der Politik abstimmen. Doch die deutschen Autohersteller spielen nicht mit. Dabei wären die Italiener nicht die einzigen, die ihre Kapazität drosseln müssen.

Mit Opel hat auch die deutsche Autoindustrie ein Sorgenkind. Die Verkaufszahlen der Rüsselsheimer und ihrer Schwestermarke Vauxhall gehen zurück. Werksschließungen soll es trotzdem nicht geben, verkündete der Mutterkonzern General Motors kürzlich. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bald auch die Modelle der erfolgreichen GM-Tochter Chevrolet, deren Verkäufe in Europa zuletzt gestiegen sind, in den Opel-Werken vom Band rollen.

Auch die französischen Massenhersteller Renault und Peugeot/Citroën (PSA) stecken tief in der Krise. Der Marktanteil von PSA hat innerhalb eines Jahres den 1,7 Prozent gesunken. Die Volumenhersteller haben ein strategischen Problem: Währen die deutschen Hersteller den Premiummarkt beherrschen, drängen asiatische Hersteller in den Kleinwagensektor und die Kompaktklasse. Die Franzosen müssen um ihre Kernmärkte fürchten.

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  • warum soll ich auch ein Auto kaufen, wenn ich nicht weiß ob ich in 6 Monaten noch das Benzin bezahlen kann. Es kann halt nicht immer mit Abzocken weitergehenm, in der Hoffnung es wird schon gutgehen.

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