Nervosität in der Branche steigt
Energiekonzerne spüren Verwerfungen der Finanzmärkte

Bislang hat sich der Energiehandel nach Ansicht von Marktteilnehmern als stabil erwiesen, langsam legt sich die Nervosität wieder. Doch noch sind die langfristigen Folgen der Finanzkrise kaum absehbar.

DÜSSELDORF. Langsam legt sich die Nervosität im Energiehandel wieder. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers war auch der Markt für Strom- und Gaslieferverträge und Rohstoffderivate spürbar verunsichert. Banken fielen als Marktteilnehmer im großen Stil aus, der außerbörsliche Handel ging zurück, während die Energiebörsen zulegen konnten. Insgesamt hat sich der Energiehandel nach Einschätzung von Marktteilnehmern aber bislang als stabil erwiesen.

„Der Markt zeigt sich insgesamt robust“, sagte Peter Terium, Chef von RWE Supply & Trading, dem Handelsblatt. „Das Handelsvolumen ist grundsätzlich stabil, trotz spürbarer Unsicherheit über die langfristigen Auswirkungen der Finanzkrise.“

Der internationale Energiehandel ist in den vergangenen Jahren im Zuge der Liberalisierung der europäischen Strom- und Gasmärkte stetig gewachsen und inzwischen eng mit dem traditionellen Finanzmarkt verknüpft. An den europäischen Energiebörsen und im außerbörslichen Over-the-Counter-Geschäft (OTC) werden neben traditionellen Strom- und Gaslieferverträgen inzwischen auch umfangreiche Derivate gehandelt. Neben den Versorgern und spezialisierten Energiehändlern haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend und mit großem Volumen europäische und US-Banken engagiert.

Unter den rund 30 zur Zeit an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig registrierten Finanzinstituten ist nicht nur die jüngst Pleite gegangene Investmentbank Lehman Brothers, sondern sind auch viele der Banken, die wegen der weltweiten Finanzkrise noch mit massiven Liquiditätsproblemen kämpfen. Diese halten sich auf dem Energiemarkt deshalb spürbar zurück, wie eine Analystin des Energiehändlers Statkraft berichtet. Der gesamte Markt sei nervös. „Bei der Kreditwürdigkeit schaut man zweimal hin“, sagt sie, „und es gibt Parteien, mit denen man momentan keine Geschäfte macht.“

Die EEX fühlte sich nach den Worten von Vorstandschef Hans-Bernd Menzel sogar kurzfristig als Profiteur. Für OTC-Geschäfte, die noch immer über drei Viertel des Energiehandels ausmachen, nutzten plötzlich viele Händler das Clearinghaus der Börse, um ihre Transaktionen gegen Verluste durch den Ausfall von Geschäftspartnern abzusichern. Während in den ersten beiden Septemberwochen an der EEX durchschnittlich 3,7 Terrawattstunden (TWh) Strom pro Tag gehandelt wurden, waren es in der Woche nach der Lehman-Pleite im Schnitt acht TWh, in der Spitze sogar zehn TWh. Inzwischen ist das Volumen aber wieder deutlich gesunken.

„Man sieht ein wachsendes Gewicht des börslichen Stromhandels: Marktteilnehmer nutzen die Möglichkeit zum Clearing an der Börse, um Ausfallrisiken abzusichern“, bestätigt RWE-Manager Terium. Das sei eine durchaus positive Entwicklung.

Dass die Folgen der internationalen Finanzkrise insgesamt beschränkt bleiben, liegt nach Teriums Worten auch daran, dass der Stromhandelsmarkt „insgesamt sehr gut diversifiziert“ sei. Neben der Finanzbranche seien eben auch die Versorger und ihre Handelstöchter, Stadtwerke, größere Industriekunden und Fonds aktiv.

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