Nestlés Strategie
Apple für Lebensmittel

Nestlé ist der weltgrößte Lebensmittel-Konzern. Der Wachstumshunger des Schweizer Unternehmens ist riesig. Es orientiert sich auch an Apples Erfolgsstrategie. Wie Nestlé die Konkurrenz abhängt.
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ZürichWas haben Marken wie Nespresso, Häagen-Dazs, Maggi, Kitkat, Perrier und Purina gemeinsam? Sie alle  gehören zum weltgrößten Nahrungsmittel-Konzern Nestlé. Dessen Produktpalette begleitet den Verbraucher mittlerweile von der Wiege bis zur Bahre: Von Babymilch bis hin zu speziellen Lebensmittel für Darmkrebskranke. Der Nahrungsmittelriese ist damit längst auf dem Weg zu einer Art Gesundheitskonzern zu werden.

Jüngster Schachzug dazu: Die Übernahme der Babynahrungssparte vom US-Pharma-Konzern Pfizer. Wie aus beteiligten Bank-Kreisen zu erfahren ist, hat sich hierfür Nestlé einen erbitterten Bieterkrieg mit dem französischen Rivalen Danone geliefert. Am Ende zahlen die Schweizer fast zwölf Milliarden Dollar – gigantisch für ein Unternehmen, das gerade mal 2,4 Milliarden Dollar Umsatz macht.

Doch die Baby-Sparte von Pfizer wächst schnell, dank seiner starken Präsenz im Boom-Markt Asien. Und sie ist hochprofitabel mit einer Ebitda-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 25 Prozent. Und die Schweizer brauchen solche hochprofitablen Sparten, um weiter das „Nestlé-Modell“ zum Erfolg zu verhelfen. Dies sieht vor, den Umsatz pro Jahr um fünf bis sechs Prozent zu steigern und gleichzeitig die operative Marge und den Gewinn je Aktie bei konstanten Wechselkursen zu steigern. 2011 lag die Marge des Gesamtkonzerns bei 15 Prozent. Trotz des hohen Preis für die Baby-Sparte von Pfizer loben Analysten den Kauf. Die Bank Vontobel zum Beispiel erhöhte am Dienstag ihr Kursziel für Nestlé von 58 auf 60 Franken. 

Nestlés Problem liegt darin, dass der Budgetposten „Nahrung“ zunehmend Konkurrenz bekommt, etwa für steigende Ausgaben für Telekommunikation. Nahrungsmittel-Einkäufe drohen vor allem in den Industriestaaten auf der Prioritätenliste nach unten zu rutschen, denn Essen gibt es genug. Also sollen die Kunden mit Nestlé nicht mehr, sondern besser essen. „Good food, Good life“, heißt daher der Slogan von Nestlé.

Kommentare zu " Nestlés Strategie: Apple für Lebensmittel"

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  • Großkonzerne wie Nestlé bestimmen immer mehr unser Konsumverhalten und bestimmen das Angebot auf dem Markt. Die Frage, die sich bei soviel Erfolg kombiniert mit unerschöpflichen finanziellen Mitteln stellt, inwieweit der Verbraucher noch mit "guten" Lebensmitteln versorgt wird und ob die Marktabhängigkeit bei zuviel Marktpräsens nicht zuviele Risiken birgt. Die bei uns so beschriebene Globalisierung hat Riesen wie Nestlé erst möglich gemacht, da Nestlé nicht nur die Endprodukte fertigt, sondern auch viele Vorprodukte und somit unser Konsum sehr starken Einfluß auf Leben in einem vöölig anderen Erdteil der Welt hat. Diese schier undurchsichtigen Auswirkungen machen es den Verbrauchern schwer, wirklich global korrekt zu handeln. Konzerne wie Nestlé haben schnell mehr Einluss als lokale Regierungen, was widerum die Demokratien in Südamerika z.B. unterwandert. Multinationale Konzerne agieren oft schneller und machtvoller als Regierungen, was mich wieder zu der Frage treibt: Wollen wir das wirklich? Übrigens: Ich bin kein Attack Mitglied, aber ich sehe eben auch Reportagen darüber, was multinationale Lebenmittelkonzerne weltweit so treiben und wie sie handeln. Der übrigens sehr gelungene Werbespot mit Clooney und Malkovich ändert daran leider nichts...

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