Nettoverlust droht im dritten Quartal
Celanese sieht wegen Kartellstrafe Rot

Der Kronberger Chemiekonzern Celanese wird im dritten Quartal voraussichtlich einen Nettoverlust verbuchen, teilte das Unternehmen mit. Hintergrund sei die von der EU-Kommission unlängst gegen die Hoechst AG verhängte Kartellstrafe von 99 Mill. € wegen Preisabsprachen.

HB FRANKFURT. Wegen der von der EU-Kommission verhängten Kartellstrafe erwarte die aus Hoechst hervorgegangene Celanese Aufwendungen von 74 Mill. € im dritten Quartal, teilte das im MDax gelistete Unternehmen am Montag mit. Zuvor seien bereits 25 Mill. € als Aufwand verbucht worden. Celanese werde deswegen im dritten Quartal voraussichtlich einen Nettoverlust verbuchen. Die 1999 aus der ehemaligen Hoechst AG hervorgegangene Celanese hatte die Verpflichtungen aus dem Sorbate-Geschäft in diesem Zusammenhang übernommen. Damals sei allerdings auch vereinbart worden, dass Hoechst die Celanese mit 80 % für den Fall entschädige. Die Entschädigung durch die Hoechst AG werde als zusätzlich eingezahltes Eigenkapital verbucht, sagte ein Sprecher. Für Celanese bedeute die Strafe ein Nettoabfluss an Cash von 20 Mill. €.

Die im MDax notierte Celanese-Aktie fiel zeitweise annähernd vier Prozent und lag am Mittag noch 1,74 % im Minus bei 28,17 €. Analysten zeigten sich von der Kartellstrafe nicht überrascht und rechneten lediglich mit einer kurzfristigen Belastung für das Unternehmen. „Es ist kein exorbitant herausragendes Ereignis“, sagte Analystin Silke Stegemann, die für die Landesbank Rheinland Pfalz den Kronberger Konzern beobachtet. Der Markt habe nach einer Reihe positiver Nachrichten von Celanese erst einmal negativ reagiert. „Celanese hatte aber schon angekündigt, dass die zweite Jahreshälfte schwierig werde.“ Martin Rödiger, Chemie-Analyst bei der DZ-Bank, kommentierte: „Der Aufwand für die Strafe ist ein einmaliger Faktor und belastet das Unternehmen nur kurzfristig.“

Die EU-Kommission hatte gegen die Hoechst AG und einige japanische Unternehmen wegen Preisabsprachen Kartellstrafen von insgesamt knapp 140 Mill. € verhängt. Die Firmen hätten zwischen Dezember 1978 und Oktober 1996 Preise für Sorbate abgesprochen und den Markt untereinander aufgeteilt, begründete die Kommission die Geldstrafe. Sorbate werden zur Konservierung von Lebensmitteln benutzt, damit sich weder Schimmel noch Bakterien oder andere Mikroorganismen entwickeln. Gegen Hoechst wurde mit 99 Mill. € die höchste Einzelstrafe verhängt.

Die Firmen hatten sich der Kommission zufolge zwei Mal im Jahr getroffen, um die Preise für jedes Land zu besprechen und sich gegenseitig Absatzquoten zu vergeben. Die Kommission hatte Ende 1998 mit der Untersuchung begonnen, nachdem es von dem japanischen Unternehmen Chisso auf Preisabsprachen hingewiesen worden war.

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