Netzentgelte gekürzt
Regulierer greift im Strommarkt durch

Zum Auftakt der zweiten Genehmigungsrunde kürzt die Budnesnetzagentur die von den Betreibern beantragten Netzentgelte drastisch. RWE, Vattenfall und EnBW müssen mit geringeren Einnahmen rechnen. Die Aufsichtsbehörde versucht schon seit rund zwei Jahren, mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt zu schaffen.

DÜSSELDORF. Die Bundesnetzagentur eröffnet die zweite Genehmigungsrunde für die Stromnetzentgelte mit einem Paukenschlag: In einem ersten Schritt hat sie die Anträge für die Übertragungsnetze von RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) jeweils um hohe zweistellige Prozentsätze gekürzt.

RWE muss nach Informationen des Handelsblatts Konkurrenten für die Nutzung seiner Überlandleitungen 28 Prozent weniger in Rechnung stellen als beantragt. Bei EnBW sind es 29 Prozent und bei Vattenfall Europe 15 Prozent, wie es in Branchenkreisen heißt. Damit verbessern sich die Marktchancen neuer Anbieter und es zeichnen sich – wenn auch zunächst nur geringe – Entlastungen für die Verbraucher ab.

Seit rund zwei Jahren versucht die Bundesnetzagentur, die Wettbewerbsbedingungen auf dem deutschen Energiemarkt zu verbessern, indem sie eine faire und günstige Nutzung der Strom- und Gasnetze ermöglicht. Unter anderem müssen die Netzanbieter die Aufstellung ihrer Kosten bei der Behörde einreichen und die Gebühren, die sie Konkurrenten und den eigenen Vertriebsgesellschaften in Rechnung stellen dürfen, genehmigen lassen. 2006 hatte die Netzagentur in einer ersten Runde die Anträge insgesamt um drei auf 15 Mrd. Euro zusammen gestrichen.

Die Behörde wollte sich gestern auf Anfrage nicht zum Auftakt der neuen Runde äußern. Eigentlich wollte ihr Präsident Matthias Kurth bereits am Dienstag die Öffentlichkeit über die Kürzungen informieren. Allerdings verzögerte sich die Zustellung der offiziellen und rechtsgültigen Bescheide. Was auf sie zukommt, wissen die beteiligten Unternehmen allerdings schon aus vorläufigen Bescheiden.

Eine offizielle Stellungnahme wollten die Unternehmen nicht abgeben – mit Verweis auf die ausstehende Erklärung der Regulierungsbehörde. Man könne sich weder zu möglichen Auswirkungen auf die Preise für die Privatkunden, noch zu etwaigen juristischen Schritten gegen die Kürzungen äußern, sagte etwa ein RWE-Sprecher. In Kreisen des Unternehmens zeigte man sich über die Höhe der Kürzung aber schockiert. Die Behörde hat nicht nur die von RWE beantrage Erhöhung der Entgelte abgelehnt, sondern sogar eine Senkung verfügt: Unter dem Strich wird für die Kunden die Nutzung des Transportnetzes von RWE deshalb 20 Prozent günstiger.

In Kreisen der Regulierungsbehörde wurden die kräftigen Einschnitte mit zwei Faktoren begründet. Zum einen hätten die Unternehmen auch umstrittene Posten geltend gemacht, um ihre Rechtspositionen zu wahren. Zum anderen hätten die Mitarbeiter der Behörde im Vergleich zur ersten Runde, als RWE beim Übertragungsnetz nur eine Kürzung um neun Prozent hinnehmen musste, dieses Mal neue Positionen intensiver geprüft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%