Neuanfang bei Fiat
Milliarden für Alfa Romeo

Fiat-Chrysler-Chef Marchionne will den  angeschlagenen Autobauer Alfa Romeo zu einer neuen globalen Premiummarke ausbauen. Doch zunächst rutscht der frisch geformte Konzern in die Verlustzone.
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Auburn Hills, DüsseldorfNeuanfänge sind bei Alfa Romeo keine Seltenheit: schon mehrfach stand der stolze italienische Autobauer kurz vor dem Aus. 1926 drohte die Zahlungsunfähigkeit, Firmengründer Nicola Romeo musste gehen. 1986 konnte Alfa nur gerettet werden, weil man in den Autokonzern Fiat flüchtete. Nun stehen die Italiener nach Jahren des Niedergangs wieder vor einem Neuanfang – und sie könnten erstmals nach fast 30 Jahren unter dem Fiat-Dach wieder selbstständig werden.

Doch die frisch geformte Fiat Chrysler Automobiles beginnt ihre Firmengeschichte mit einem Verlust. Der Hersteller verlor im ersten Quartal unterm Strich 319 Millionen Euro. Ohne die belastenden Posten aus der vollständigen Übernahme der US-Geschäfte hätte Fiat einen Gewinn von 71 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Vorjahreszeitraum, als Chrysler noch zu Teilen dem Gesundheitsfonds der US-Autogewerkschaft UAW gehörte, war noch ein Plus von 31 Millionen Euro herausgekommen.

Fiat hatte zu Jahresbeginn die US-Tochter Chrysler komplett übernommen. Damit in Zusammenhang stehende Kosten hätten das Ergebnis gedrückt, erklärte der Konzern am Dienstag beim Investorentag in Auburn Hills nahe Detroit. Dagegen stieg der Umsatz vor allem dank guter Verkäufe in Nordamerika und Asien um zwölf Prozent auf 22,1 Milliarden Euro.

Vier bis fünf Milliarden Euro will Mutterkonzern Fiat-Chrysler nun in neue Modelle und modernere Fabriken investieren, so hat es der Konzern am Rande seiner Strategiekonferenz für die Jahre 2014-2018 in Auburn Hills angekündigt. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne will Alfa Romeo zu einer globalen Premiummarke ausbauen, die Audi, Mercedes und BMW Konkurrenz machen soll.

Marchionnes Hoffnung: die Marke, die in den 1960ern einst Klassiker wie den Duetto Spider hervorbrachte, könnte für die Gruppe ein Gewinnbringer werden wie Audi für Volkswagen, weil im Premiumsegment höhere Preise verlangt werden können als für Massenmodelle wie von Chrysler, Fiat oder Dodge.

Dazu soll Alfa zunächst nach dem Vorbild von Maserati in eine eigenständige Gesellschaft umgewandelt werden, berichtet die „Financial Times“. Passend dazu wurden die Alfa-Pläne von Harald Wester, der im Konzern Maserati führt, vorgestellt.

Auch die Modellpalette soll generalüberholt werden. Die Italiener planen wohl eine ganz neue Modelllinie mit heckangetriebene Limousinen und SUVs, hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Der Clou: unter der Motorhaube der Modelle, deren Markteinführung für 2016 geplant ist, sollen in der High-End-Varianten Motoren verbaut werden, die aus der Entwicklungsabteilung von Konzernschwester Ferrari stammen. Insgesamt sollen bis 2018 gleich acht neue Modelle vorgestellt werden, die den Absatz auf die stattliche Zahl von 400.000 Stück steigern sollen.

Neue Modelle sind für Alfa dringend notwendig, denn unter Marchionnes Ägide hatten die Verkäufe der Konzernmarke zuletzt mächtig gelitten. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2004 ist der Absatz um 56 Prozent auf 74.000 Exemplare geschrumpft. Allein 2012 mussten die ausgegebenen Absatzziele noch einmal um 40 Prozent nach unten korrigiert werden, weil angekündigte Modelle durch die Krise in Europa doch nicht auf den Markt gebracht wurden. Mit der Erholung des europäischen Markten und der Übernahme von Chrysler soll der sportlichen Tochter von Fiat nun neues Leben eingehaucht werden.

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  • Man fragt sich wirklich langsam wie lange dieser Herr Marchionne eigentlich noch eine Bühne für seine (sich immer wiederholenden) großen Ankündigungen und leeren Versprechungen bekommt. Bis heute hat er in 10 Jahren nur bewiesen dass er Autos bauen wirklich nicht kann sondern nur Flops produzieren, Schulden machen und glorreiche Marken (Lancia) zerstören. Zudem in seinen Allmachtsfantasien es bis heute auch zu verhindern wusste ein gutes Management neben ihm aufzubauen. Es ist eigentlich zum lachen währe es für die Betroffenen (deren Verträge er mit Füssen tritt) nicht zum weinen. Dieser Mann ist nur peinlich und all diejenigen die ihn stützen oder an sein Geschwafel glauben und ihn weiterhin, in welcher Form auch immer, finanziell stützen, ebenfalls. Man fragt sich halt nur wie lange er seinen zerstörerischen, von Unfähigkeit geprägten, Zyklus noch weiterführen darf.

  • "1986 konnte Alfa nur gerettet werden, weil man in den staatlichen Autokonzern Fiat flüchtete"
    Nicht Fiat war der Staatskonzern, sondern Alfa Romeo!

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