Neuausrichtung der IT
HP muss um Thyssen-Auftrag bangen

Der IT-Konzern Hewlett-Packard droht in Deutschland einen wichtigen Outsourcing-Auftrag zu verlieren. Wie aus dem Umfeld des Stahl- und Investitionsgüterkonzerns Thyssen-Krupp zu hören ist, will das Unternehmen die Informationstechnologie neu ausrichten. Thyssen-Krupp steht wegen der Rezession unter Druck und beabsichtigt, die Kosten um 500 Mio. Euro zu drücken.

FRANKFURT. Im Fokus stehen neben den Personal- die IT-Kosten, die bei rund 450 Mio. Euro liegen. Bei einer zentralen Steuerung könne man diese um rund 20 Prozent senken, sagte Konzernchef Ekkehard Schulz kürzlich.

Ein Sprecher des Ruhrkonzerns äußerte sich nicht zu Details. Auch HP hielt sich bedeckt. „Unser Vertrag läuft noch bis 2011. Wir sprechen derzeit mit Thyssen-Krupp über mögliche Änderungen aber auch Erweiterungen“, sagte Volker Smid, der Deutschlandchef von HP.

Derzeit spielt Thyssen-Krupp nach Angaben aus Branchenkreisen verschiedene Optionen durch. Eine davon ist, die IT-Tochter wieder größtenteils in Eigenregie zu betreiben. Die Betriebsräte unterstützen diesen Weg, weil sie sich davon einen geringeren Stellenabbau versprechen. Als wahrscheinlichere Variante gelte aber, dass der Konzern seine IT-Aktivitäten neu ausschreibt, heißt es.

Konkurrenten von HP bringen sich dafür bereits in Stellung. So hat die Telekom-Geschäftskundensparte T-Systems Interesse angemeldet. Bereichsvorstand Reinhard Clemens will T-Systems zum führenden IT-Dienstleister ausbauen. Die Telekom erbringt bereits IT-Dienstleistungen für Thyssen-Krupp.

HP hatte die Thyssen-IT-Tochter Triaton mit 2 200 Mitarbeitern Anfang 2004 für 340 Mio. Euro erworben. Im Gegenzug bekam der US-Konzern die vertragliche Zusage, für sieben Jahre die IT für Thyssen-Krupp liefern zu können.

Die Transaktion galt damals als Türöffner für HP, um im zu der Zeit zähen Outsourcing-Geschäft in Deutschland stärker Fuß fassen und zum Rivalen IBM aufschließen zu können. „Das Beispiel ist typisch für die aktuelle Situation“, sagte HP-Manager Smid: „Die Kunden prüfen angesichts der Krise ihre Outsourcing-Verträge. Das bietet für uns aber auch Chancen. Unser Service-Geschäft entwickelt sich derzeit sehr erfreulich.“

Dagegen leidet HP in den meisten anderen Geschäften unter der Rezession. Im zweiten Quartal des versetzten Geschäftsjahres war der Nettogewinn um 17 Prozent auf 1,7 Mrd. Dollar eingebrochen. Der Umsatz ging um drei Prozent auf 27,4 Mrd. Dollar zurück. HP leidet vor allem unter schleppenden Verkäufen im bislang margenstarken Drucker- und Computergeschäft.

HP-Chef Mark Hurd drückt deshalb stärker als bislang auf die Kostenbremse. So sollen 6 400 Stellen gestrichen werden. Laut Smid ist davon auch Deutschland betroffen, allerdings sei der Umfang noch nicht klar. HP baut bereits 24 000 Stellen im Zuge der Übernahme des Dienstleisters EDS ab. „Die Integration von EDS geht schneller voran als erwartet“, sagte Francesco Serafini, der Europachef von HP.

Serafini sieht in Europa keine Anzeichen für eine Erholung. Während in der Region Americas der Umsatz um zwölf Prozent gestiegen war, ging er in EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) um zwei Prozent zurück. „Das kann damit zusammen hängen, dass Europa mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten folgt“, sagte Serafini.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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