Neuausrichtung
Fiat setzt sich ehrgeizige Ziele

Nach einer drastischen Restrukturierung und Neuausrichtung in den vergangenen Jahren hat der italienische Fiat-Konzern sich neue, ehrgeizige Ziele gesetzt: Schuldenfreiheit und einen Nettogewinn von 3,5 Mrd. Euro im Jahr 2010.

MAILAND. 2010 werde Fiat bei einem Umsatz von 67 Mrd. Euro einen Nettogewinn von 3,5 Mrd. Euro schreiben, versprach der Vorstandsvorsitzende Sergio Marchionne am Donnerstag auf einer Investoren-Tagung zum Strategieplan. Außerdem kündigte er an, dass er den Posten als Chef der Auto-Sparte im kommenden Jahr an einen Nachfolger übergeben wird.

Der italienische Traditionskonzern mit Sitz in Turin steckte jahrelang in der Krise. „Fast alle haben darauf gewettet, dass Fiat pleite geht“, sagte Marchionne. „Aber wir haben die die Krise hinter uns.“ Die Gruppe werde 2010 schuldenfrei sein und über eine Liquidität von drei Mrd. Euro verfügen, prophezeite er.

Nicht zuletzt dank des neuen Punto-Modells hat auch die kränkelnde Autosparte wieder den Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft. Für das laufende Jahr hat der Fiat-Chef gestern die Prognose für den operativen Gewinn der Sparte von 250 auf 275 Mill. Euro erhöht.

Die Analysten von Euromobiliare sehen den Ausblick optimistisch. Die Aktie verlor am Donnerstag trotzdem mehr als ein Prozent. Händler erklärten dies vor allem mit Gewinnmitnahmen, da sich der Kurs seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt hat und allein im November um zehn Prozent gestiegen ist.

Bei der Produktpalette drückt Marchionne weiter aufs Tempo: Insgesamt 23 neue oder aktualisierte Modelle will Fiat von 2007 bis 2010 auf den Markt bringen. 2010 will Fiat 2,8 Millionen Autos verkaufen und seinen Anteil auf dem hart umkämpften westeuropäischen Automarkt auf elf Prozent erhöhen. In diesem Jahr wird Fiat voraussichtlich zwei Millionen Autos absetzen, nach Angaben des Verbandes European Automobile Manufacturers Association (ACEA) lag der Marktanteil in den ersten neun Monaten in Westeuropa bei 7,6 Prozent.

Marchionne scheint davon überzeugt, dass die Autosparte auf dem richtigen Weg ist. Er will das Steuer voraussichtlich im kommenden Jahr übergeben. Ein Nachfolger werde im eigenen Haus gesucht, wo sich der 2004 angetretene Fiat-Chef in den vergangenen Jahren eine Führungsmannschaft nach seinem Geschmack zusammengestellt hat. „Wir haben genug Talente bei uns. Ich werde keinen von außen einstellen“, machte der Manager klar. Was seine eigene Zukunftsplanung angeht, sagte Marchionne, seine Aktien-Optionen seien an das Erreichen der ehrgeizigen Ziele und an seinen Verbleib beim Unternehmen geknüpft. Damit gab er zu verstehen, dass er den Konzern noch mindestens bis 2010 führen wird.

Zum ersten Mal seit vier Jahren will Fiat auch wieder eine Dividende zahlen. Insgesamt sagte Marchionne den Investoren für die Jahre 2007 bis 2010 einen Dividendenausschüttung in Höhe von zwei Mrd. Euro voraus. Dabei geht er davon aus, dass ein Viertel der Gewinne ausgeschüttet wird. Das Unternehmen selbst könnte die Gewinne auch für Aktienrückkäufe nutzen. Als Bedingung nannte Marchionne jedoch, „dass wir dadurch die Rückkehr zum Investmentgrade-Status bei den Rating-Agenturen sichern“. Für die Zukunft setzt das Unternehmen auf produktbezogene Allianzen, bei denen Fiat gemeinsam mit internationalen Konkurrenten einzelne Modelle baut oder vertreibt. Diese so genannten strategischen Allianzen ohne Kapitalbeteiligung geht Fiat vor allem in Schwellenländern ein.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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