Neue Beschwerde
Alstom gibt Tunnelkampf nicht auf

Der Konzern klagt nun wegen Mängeln bei der Ausschreibung von Eurostar. Beobachter fragen sich zudem, ob die Klagefreude im Zusammenhang mit Alstoms wirtschaftlicher Verfassung steht. Denn: Dem Konzern geht es nicht gut, die Halbjahreszahlen verfehlten die Erwartungen.
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PARIS, LONDON. Alstom-Chef Patrick Kron will im Kampf um den Auftrag von Eurostar nicht aufgeben. „Die Ausschreibung war weder transparent, noch lief sie fair ab“, sagte er gestern bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen, die die Erwartungen verfehlten. Daher hat Alstom bei der EU-Kommission Beschwerde eingelegt, da das Verfahren die europäischen Vergaberegeln missachtet habe.

Alstom will auch weiter in Großbritannien klagen. Kron lässt sich nicht davon entmutigen, dass der Londoner High Court vergangene Woche den Antrag auf einstweilige Verfügung von Alstom abgewiesen hat.

In dem Streit geht es darum, dass Eurostar zehn neue Züge im Wert von 600 Mio. Euro bei Siemens bestellen will. Bisher nutzt Eurostar ausschließlich Alstom-Züge. Zudem ist Eurostar eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF. Daher sorgt die Order für erheblichen politischen Ärger in Frankreich.

„Eurostar hat mit Siemens bereits im August einen Vorvertrag geschlossen, dabei lief die Ausschreibung noch“, schimpfte Kron. Zudem habe sich Eurostar beim Kauf der Züge von demselben Berater wie Siemens unterstützen lassen, dem Unternehmen Interfleet.

„Wir verlangen daher, dass die Ausschreibung gestoppt und neu aufgerollt wird“, so Kron. Er beharrte auf seinem Argument, dass Eurostar keine Züge bestellen könne, die für den Tunnelverkehr bisher nicht zugelassen seien. Derzeit muss ein Zug über zwei klassische Lokomotiven verfügen. Die Siemenszüge nutzen eine neue Antriebstechnik, bei denen die Motoren unterhalb des Zugbodens verteilt sind. Die britisch-französische Sicherheitskommission prüft nun, ob diese Zugtechnik für den Eurotunnel zugelassen werden kann.

Auch Alstom hat mit dem AGV einen Zug mit dieser Technik angeboten. „Allerdings hat Eurostar uns versichert, dass die Ausschreibung nicht entschieden wird, solange die Sicherheitsregeln nicht geändert sind“, erklärte Kron.

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