Neue Dieselgate-Dokumente: Was wusste Winterkorn wirklich?

Neue Dieselgate-Dokumente
Was wusste Winterkorn wirklich?

In der Affäre um manipulierte Abgaswerte wird der frühere VW-Vorstandschef Martin Winterkorn durch interne Dokumente belastet. Einem Medienbericht zufolge wusste er viel früher von den Problemen, als er bislang zugibt.

Wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf ihr vorliegende interne Unterlagen berichtet, war Winterkorn bereits im Mai 2014 vor Ermittlungen der US-Behörden nach einer VW-Betrugssoftware gewarnt worden. Demnach hatte ihn bereits am 23. Mai 2014 und damit fast eineinhalb Jahr vor Bekanntwerden der Affäre ein Mitarbeiter schriftlich von Ermittlungen der US-Umweltbehörden wegen überhöhter Abgaswerte und der Suche nach einer VW-Betrugssoftware informiert. Aus den zitierten Passagen geht allerdings keine direkte Kenntnis Winterkorns von illegalen Manipulationen hervor.

Winterkorn war fünf Tage nach Bekanntwerden der Affäre am 23. September 2015 von seinem Job als Vorstandschef des VW-Konzerns zurückgetreten und übernahm damit die Verantwortung für die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren. Er versichert aber bis heute, von der Schummel-Software erst kurz vor dem 18. September 2015 erfahren zu haben. An diesem Tag hatten die US-Umweltbehörden den VW-Abgasbetrug öffentlich gemacht.  Damals hatte er gesagt, er sei „fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“ und er trete zurück, „obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin“. Das ist offenbar falsch, wie die Dokumente belegen. VW gab die Aktion zu, der Aktienkurs brach ein. Manipuliert wurde bei Dieselmotoren in weltweit bis zu 11 Millionen Autos verschiedener Konzernmarken.

Dem BamS-Bericht zufolge wurde bereits im Mai 2014 gewarnt, dass die US-Behörde mit eigenen Tests eine Schummelsoftware entdecken könne: In den zitierten Dokumenten geht es demnach um die Messungen der US-Behörden, bei denen die zulässigen Stickstoffwerte (NOx) um das bis zu 35-Fache überschritten wurden. „Eine fundierte Erklärung für die dramatisch erhöhten NOx-Emissionen kann den Behörden nicht gegeben werden. Es ist zu vermuten, dass die Behörden die VW-Systeme daraufhin untersuchen werden, ob Volkswagen eine Testerkennung in die Motorsteuergeräte-Software implementiert hat (sogenanntes Defeat Device).“ Diskutiert wurden laut dem BamS-Bericht vor diesem Hintergrund auch „monetäre Strafen“ als mögliche Folgen und die Option, „Fahrzeuge zurückzukaufen und außer Landes zu bringen“.

Ein Volkswagen-Sprecher sagte dazu am Wochenende der Nachrichtenagentur dpa: „Wir kommentieren den gesamten Vorgang nicht.“ Er verwies auf laufende Untersuchungen. VW hat die US-Anwaltskanzlei Jones Day mit internen Ermittlungen beauftragt. Ergebnisse sollen im April bekanntgegeben werden. Winterkorn war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. „Auf BamS-Anfrage wollte sich der Ex-Firmenpatriarch wegen der laufenden Ermittlungen in der Affäre nicht äußern“, schreibt die Zeitung.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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