Neue Expansionsstrategie
H&M will Herrenmodemarkt aufmischen

Der Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M) ändert seine Expansionsstrategie in Deutschland. Statt wie bisher auf große Familienhäuser mit Flächen von mehr als 2 000 Quadratmetern zu setzen, will der schwedische Filialist verstärkt Spezialgeschäfte eröffnen. Im Fokus steht dabei der Herrenmodemarkt.

HAMBURG. „Der Anteil der Herrenmode könnte mittelfristig von knapp zehn auf 20 Prozent steigen“, sagte der neue H&M-Deutschlandchef Thorsten Mindermann dem Handelsblatt. Bei einem Jahresumsatz in Deutschland von zuletzt 1,78 Mrd. Euro entspräche das einem Volumen von 360 Mill. Euro.

Deutschland ist für die Modekette aus Stockholm mit einem Umsatzanteil von 25 Prozent der wichtigste Markt und hat aufgrund der harten Wettbewerbsbedingungen eine Vorreiterfunktion. Konzepte, die hier funktionierten, würden im Konzern meist als insgesamt erfolgversprechend bewertet, sagt der 37-jährige Mindermann, der vor rund einem Jahr den Chefposten vom langjährigen H&M-Deutschlandchef Hans Andersson übernommen hat. Bis dato gibt es 301 Filialen in Deutschland; vergangene Woche eröffnete H&M das insgesamt vierte reine Herrenmodegeschäft mit 380 Quadratmetern in Hamburg.

Der Strategieschwenk der Schweden folgt aus akuten Schwierigkeiten. Der einstige Branchenprimus Europas ist ins Hintertreffen geraten. Im vergangenen Geschäftsjahr machte der spanische Inditex-Konzern (Zara) mit 6,74 Mrd. Euro erstmals mehr Umsatz als die Schweden (6,47 Mrd. Euro). Mit höheren Zuwachsraten holen in einem laut Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) insgesamt schrumpfenden Markt auch kleinere Wettbewerber wie Esprit und New Yorker auf, die mit Partnern aggressiv expandieren.

Dem Vordringen der Schweden in die Herrenmode geben Branchenbeobachter gute Chancen, da Herrenmode heute hauptsächlich in Kaufhäusern wie Karstadt oder Modehäusern wie Wöhrl mitverkauft wird. Reine Herrenboutiquen sind bisher eher die Ausnahme und bieten meist höherpreisige Markenkleidung. „H&M hat mit den Herrenmodegeschäften eine Marktnische entdeckt, und wird diese mit aller Marktmacht besetzen und ausweiten“, sagt BTE-Hauptgeschäftsführer Jürgen Dax.

Als Trendsetter hat H&M aber grundsätzlich an Bedeutung verloren. Modisch sind die Spanier den Schweden meist voraus. Grund dafür sind die Produktionsstrukturen. Während H&M überwiegend in Asien bei Lieferanten fertigen lässt und Lieferzeiten von bis zu sechs Wochen akzeptiert, setzt Zara auf eigene Werke in Südeuropa und kann so schneller auf Modetrends reagieren.

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