Neue Gebote erwartet
Chrysler-Verkauf steht vor zweiter Runde

Der Bieterwettkampf um den US-Autobauer Chrysler geht laut eines Presseberichts vermutlich schon in der kommenden Woche in die zweite Runde. Während sich die Kaufkandidaten warm laufen, hübscht der Daimler-Konzern seine Tochter auf.

HB DETROIT. Interessenten könnten schon alsbald zweite Gebote abgeben; anschließende werde die Stuttgarter Mutter wahrscheinlich den Kreis der Kaufkandidaten auf ein bis zwei Unternehmen eingrenzen, schreibt das „Wall Street Journal“ in seiner Donnerstagausgabe unter Berufung auf mit der Verhandlung vertraute Kreise.

Erste Gebote hatte Daimler-Chrysler bis Ende März erhalten. Alle sehen vor, dass die US-Automobilgewerkschaft UAW an Chrysler beteiligt wird. Auf diese Weise sollen die Arbeitnehmervertreter in die Suche nach einer Lösung für die drückenden Sozialleistungen des US-Automobilherstellers eingebunden werden. Zu den Bietern gehören die Finanzinvestoren Cerberus, Blackstone sowie der kanadische Automobilzulieferer Magna. Auch der US-Milliardär Kirk Kerkorian hat ein Angebot vorgelegt, das von Daimler-Chrysler jedoch kritisch gesehen wird.

Das Engagement der Finanzinvestoren stoße dagegen bei den Gewerkschaften auf Vorbehalte, schreibt das „Wall Street Journal“ weiter. Insbesondere das gleichzeitige Bemühen von Cerberus um den insolventen Automobilzulieferer Delphi werde als problematisch angesehen. Dort plane Cerberus, die Löhne und Zusatzleistungen bei Neueinstellungen zu senken.

Daimler investiert in Chrysler

Ungeachtet der Verkaufsbestrebungen investiert Daimler-Chrysler in seine US-Tochter. Der Autokonzern nimmt insgesamt 1,78 Mrd. Dollar in die Hand, um zwei neue Fabriken im US-Bundesstaat Michigan zu errichten. Chrysler will bis 2009 ein neues Motorenwerk in Trenton für 730 Mill. Dollar bauen. Dort sollen Sechszylindermotoren gefertigt werden. 700 Mill. Dollar sollen in ein neues Achsenwerk in Marysville gesteckt werden. Kleinere Investitionen werden in existierenden Werken in Sterling Heights und in Warren vorgenommen.

Die Investitionen hat Chrysler-Chef Tom LaSorda am Mittwoch angekündigt. Die Chrysler Group müsse in eine stärkere Gesellschaft verwandelt werden, die langfristig wettbewerbsfähig sein müsse. Am Vortag hatte LaSorda in einem Interview erklärt, dass ein Verbleib Chryslers bei Daimler durchaus noch möglich sei.

Daimler putzt Chrysler heraus

Die Milliardeninvestitionen seien zwar auf den ersten Blick überraschend, hieß es am Markt. „Der Geschäftsbetrieb muss aber am Laufen gehalten werden“, so ein Börsianer. „Darüber hinaus kommt es bei einem möglichen Käufer vermutlich gut an, wenn die Braut vorher noch etwas herausgeputzt wird“.

Schön sollen wohl auch die Absatzzahlen gemacht werden. Chrysler zahlt besonders erfolgreichen Händlern nach einem Bericht der Zeitung „Detroit News“ im Monat April Boni von Tausenden Dollar. Das gehe aus einem internen Schreiben der Daimler-Chrysler-Tochter an ihre Vertragshändler vom Mittwoch hervor, heißt es in dem am Donnerstag erschienen Bericht. Die Verkaufsanreize seien dazu angetan, den Monat April mit erhöhtem Schwung abzuschließen.

Bislang konnten Händler unter dem Verkaufsprogramm „Volume Performance Allowance“ (VPA) bereits bis zu 500 Dollar für einzelne Fahrzeug einstreichen. Im April, so der Bericht, seien zusätzliche Boni von 3 000 bis zu 15 000 Dollar pro Händler möglich. Die Höhe bemesse sich neben der Größe des jeweiligen Autohauses daran, ob das mit Chrysler vereinbarte Absatzziel erreicht werde.

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