Neue Geschäfte akquiriert
Babcock-Sanierung vor dem Abschluss

Eine der größten Pleiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte steht ein Jahr nach der Insolvenzanmeldung kurz vor dem Abschluss. „Der Verkauf des Servicebereichs mit 2100 Mitarbeitern steht unmittelbar bevor“, berichtete der Vorstandschef des Oberhausener Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig, Horst Piepenburg, am Mittwoch.

HB/dpa OBERHAUSEN. Damit wäre die Sanierung des Konzerns, der vor Jahresfrist weltweit 21 000 Menschen beschäftigte und am 4. Juli 2002 nach 111 Jahren Firmengeschichte Insolvenz anmelden musste, geschafft.

„Wir haben die Babcock-Kerngeschäftsfelder Kraftwerksbau, Umwelttechnik und Service gesund erhalten und in neue Hände geben können“, zog Piepenburg Bilanz. „Das macht uns schon ein wenig stolz.“ Bereits im April war der Kraftwerksbau mit 330 Mitarbeitern an den japanischen Konzern Babcock Hitachi und zuvor die Umwelttechnik an das italienische Unternehmen Fisia verkauft worden. Insgesamt seien 18 000 der weltweit 21 000 Arbeitsplätze und damit das Know-how des Traditionskonzerns erhalten geblieben, betonte Piepenburg.

Entscheidende Hilfe sei dabei das neue Instrument der „Insolvenz in Eigenverwaltung“ gewesen, das erstmals bei einem Konzern dieser Größenordnung angewendet worden sei. „Wir konnten die meisten bestehenden Aufträge abwickeln sowie neue Geschäfte akquirieren“, berichtete Piepenburg. Das neue Insolvenzrecht schaffe Vertrauen auf dem internationalen Parkett, da die Eigenverwaltung aus Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts bekannt sei. „Dadurch war es für die Kunden leichter, weiter mit Babcock zusammen zu arbeiten.“

In einer Doppelspitze mit dem Insolvenzverwalter Helmut Schmitz, der 25 Babcock-Gesellschaften und damit das Kerngeschäft betreute, habe auch ein Großteil der Arbeitsplätze gerettet werden können. Rund 800 der insgesamt 4200 Mitarbeiter dieser Gesellschaften erhielten die Kündigung, die übrigen konnten in der Auffanggesellschaft Babcock Borsig Power Systems (BBPS) oder in Gesellschaften, die sich wieder auf eigene Füße stellten, weiterarbeiten.

„So hat die Aachener Schumag AG den Finanzverbund mit der Holding noch rechtzeitig vor dem Insolvenzantrag gekündigt und sich damit aus dem Strudel gerettet“, erläuterte Schmitz. Vor allem die ausländischen Gesellschaften wurden rasch verkauft, so das gesamte US-Geschäft und die Produktion in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate).

Auch für die Gläubiger sieht Schmitz nur Vorteile durch die Eigenverwaltung. „Die Erstattungsquote konnte von ursprünglich 8 auf bis zu 25 Prozent bei einzelnen Gesellschaften hoch geschraubt werden.“ Auch für die Holding rechnet Schmitz trotz des insolvenzbedingten Rekordverlusts von rund drei Milliarden Euro mit einer zweistelligen Quote.

Leer gingen allerdings die Aktionäre aus: Ihre Anteilsscheine, die im März 2001 an der Börse noch für 21 Euro gehandelt wurden, sanken zuletzt auf einen Kurs von 13 Cent. „Die Aktien der Babcock Borsig AG sind heute wertlos“, stellte denn auch Piepenburg bei der letzten Hauptversammlung Ende Mai fest. Selbst ihre Verpflegung mussten sich die frustrierten Aktionäre bei diesem tristen Abschied in der Oberhausener Konzernzentrale selbst mitbringen.

Noch kein Ende absehbar ist bei den strafrechtlichen Ermittlungen gegen den ehemaligen Konzernchef Klaus Lederer und weitere frühere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, darunter Ex-WestLB-Chef Friedel Neuber und Tui-Chef Michael Frenzel. Den Managern werden unter anderem Untreue, Insolvenzverschleppung und unzulässige konzerninterne Finanz-Geschäfte vorgeworfen. So soll der längst marode Babcock-Konzern lange Zeit zu Lasten der ehemaligen Tochter, der Kieler Werft HDW, über Wasser gehalten worden sein. Damit soll wiederum der Umbau der Preussag zum Tourismuskonzern TUI auf Kosten von Babcock bewerkstelligt worden sein.

„Die umfangreichen Prüfungen zu diesem Fall lassen keine Aussage über die voraussichtliche Dauer und Richtung des Verfahrens zu“, betonte der zuständige Düsseldorfer Staatsanwalt Bernhard Englisch. Nach einer Durchsuchungsaktion in Büros und Privaträumen der Manager Ende Februar war Englisch jedoch bereits deutlicher geworden: Die beschlagnahmten Unterlagen hätten sich als besonders ergiebig zu Belegung des Tatverdachts erwiesen, erklärte damals der Staatsanwalt.

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