Neue Geschäftsfelder
Hochtief mag nicht mehr bauen

Die Essener Hochtief AG will kein Baukonzern mehr sein - zumindest nicht auf ihrem Heimatmarkt. Weil die Rendite zu niedrig ist, sucht der Konzern hierzulande nach neuen Geschäftsfeldern. Die sollen in sogenannten baunahen Dienstleistungen liegen.

HAMBURG/DÜSSELDORF. "Mit dem normalen Baugeschäft kann man in Deutschland kein ordentliches Geld verdienen", sagt der Vorstandsvorsitzende Herbert Lütkestratkötter. Seit seinem Amtsantritt im April 2007 hat er das deutsche Hochbaugeschäft auf rund 700 Mio. Euro halbiert.

Der massive Abbau geschah nicht nur aus eigenem Antrieb. 2007 schrieb Hochtief in seinem Segment "Construction Services Europe" einen Vorsteuerverlust von 150 Mio. Euro. Der Konzern hatte reihenweise Verträge abgeschlossen, bei denen er auch dann zum vereinbarten Gesamtpreis liefern musste, wenn die Preise für die Baustoffe seit Vertragsabschluss - wie geschehen - dramatisch stiegen.

Inzwischen schließt der Konzern nur noch Verträge mit sogenannten Eskalationsklauseln. Steigen die Preise für Glas, Stahl oder Beton, so steigt auch der Gesamtpreis. Dass Hochtief nicht früher als 2007 auf diese Idee gekommen ist, erklärt Finanzvorstand Burkhard Lohr mit der Historie der Bauindustrie: "Man war gewöhnt, dass die Preise nicht steigen, sondern fallen. Es ist doch eine ganze Generation von Baumanagern herangewachsen, für die fallende Baustoffpreise eine der wenigen Möglichkeiten war, den Profit ein bisschen zu heben."

Die Zeiten sind vorbei. Hochtief macht heute Verträge mit "gläsernen Taschen". Der Auftraggeber soll genau sehen können, zu welchen Preisen Baustoffe eingekauft werden. Ist ein Kunde nicht bereit, selbst das Risiko für Preisausschläge zu schultern, lehnt Hochtief den Auftrag ab. Die Folge: Viele Kunden suchen sich andere Bauunternehmen.

Lütkestratkötter sieht das nicht kritisch. Risikomanagement gehöre im Baugeschäft zur wichtigsten aller Aufgaben - und unkalkulierbares Risiko gehe man eben nicht ein. Selbst dann nicht, wenn sich die Kunden abwenden und sich das Geschäft halbiert. Beim Risikomanagement allerdings belasten Hochtief nicht nur strukturelle, sondern auch hausgemachte Probleme. Ein Musterbeispiel ist der Bau der Senderzentrale des Fernsehkonzerns RTL. Ursprünglich sollten die Sender RTL, Vox, Super RTL und N-TV bereits im April 2008 in die alten Hallen der Köln Messe ziehen. Doch immer neue Verzögerungen machten die Pläne zunichte.

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