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27.03.2006 
Report

Neue Gleise für Märklin

von Joachim Hofer

Handarbeit und Liebe zum Detail werden im Zeitalter der Globalisierung für Märklin zur Last: Der Modellbauer steht vor dem Verkauf an einen britischen Finanzinvestor.

Die Liebe zum Detail war fast 150 Jahre die große Stärke von Märklin - heute ist sie die große Schwäche.

Die Liebe zum Detail war fast 150 Jahre die große Stärke von Märklin - heute ist sie die große Schwäche.

GÖPPINGEN. Roland Gaugele zeigt auf die Vitrinen an den Wänden: „Die hatten die Ganoven alle leer geräumt.“ Gaugele leitet das Märklin-Museum in Göppingen, und auch ein Jahr nach dem Raubzug ist die Empörung in seiner Stimme noch zu spüren: „Viele der alten, wertvollen Lokomotiven sind so beschädigt, dass man sie nicht mehr reparieren kann.“

Erst nach einer turbulenten Jagd durch halb Europa konnte die Polizei die Einbrecher in Wien festnehmen. In Österreich wollten sie die Beute – 180 Exponate im Wert von etwa 1,7 Millionen Euro – an einen vermögenden Sammler verticken. Um die teilweise über 100 Jahre alten Spielzeug-Lokomotiven nicht zu gefährden, schlugen die Fahnder erst zu, als die Diebe die Ware übergaben. So wurde etwa auch das Modell der legendären Schweizer E-Lok „Krokodil“ aus dem Jahr 1934 gerettet.

Ob es auch für die Firma, die die feinmechanischen Preziosen schuf, Rettung gibt? Ob vielleicht gar ein „Raub“ ihre Rettung bedeutet? Märklin, die Kultmarke, ist Teil des deutschen Wirtschaftswunders, seit elektrische Spielzeugbahnen nach dem Krieg als Zeitvertreib für Söhne und Väter die Wohnzimmer eroberten.

Nun könnte Märklin an einen Finanzinvestor gehen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat Kredite von Märklin aufgekauft. Mit denen und mit eigenem Geld will der die britische Private-Equity-Firma Kingsbridge Capital Advisors bei der Traditionsmarke einsteigen, heißt es in Frankfurter Bankenkreisen. Dem Vernehmen nach sind die Verhandlungen mit den Eigentümern in der entscheidenden Phase.

Märklin gehört den Familien Friz und Safft. Die Firma zählt 23 Gesellschafter, „in deren Kreis immer wieder solche Verkaufsdiskussionen aufkommen“, sagt Märklin-Chef Paul Adams.

Überraschend käme ein Verkauf nicht. Zuletzt verblasste der Märklin-Mythos. Vor allem Sammler und Mitarbeiter hegen seit langem Angst um das Überleben von Deutschlands wohl bekanntester Spielzeugmarke. Handarbeit und beispiellose Liebe zum Detail, einst die großen Stärken von Märklin, werden im Zeitalter der Globalisierung zur Last.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für 2005 gibt es noch keine Erlöszahlen, aber Märklin-Chef Adams geht von weiteren Einnahmeverlusten aus.

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