Neue Konzernzentrale
Für Linde liegt die Zukunft in München

Die Landeshauptstadt wird Sitz der neuen Konzernzentrale und des Testzentrums für die Wasserstoff-Technologie.

dpa/gil MÜNCHEN. Der Linde-Konzern setzt auf München. Als erster Autofahrer durfte Vorstandschef Wolfgang Reitzle am Montag gemeinsam mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee die neue Wasserstoff-Tankstelle des Konzerns in Lohhof bei München nutzen. Was hier noch vor allem Fototermin bei der Eröffnung des neuen Testzentrums „Hydrogen Center“ war, soll eines Tages Autofahrer-Alltag in Deutschland sein. Linde hat drei Mill. Euro in das neue Wasserstoff-Zentrum investiert und möchte möglichst alle Autos mit Wasserstoff betanken. „Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft“, sagte Reitzle.

Doch nicht nur wegen des zukunftsträchtigen Geschäftsfelds Wasserstoff spielt die Musik bei Linde künftig noch stärker als bisher in München. Anfang des Jahres soll der Umzug der Konzernzentrale von Wiesbaden in die bayerische Landeshauptstadt über die Bühne gehen. Durch die Übernahme des britischen Konkurrenten BOC wird Linde zum weltweit größten Anbieter von Industriegasen und überholt den bisherigen Weltmarktführer Air Liquide.

Die neue Konzernzentrale wird von Wiesbaden nach München umziehen, von wo aus bereits das künftige alleinige Kerngeschäft Gase gesteuert wird. Eine zweite Zentrale mit unterstützenden Funktionen entsteht im englischen Surrey. Die Vorbereitungen für den Umzug der Zentrale laufen. Dem Vernehmen nach ist der endgültige Standort aber noch nicht gefunden. Im Gespräch ist ein Bürogebäude mit guter Anbindung an den Flughafen München, nicht jedoch der wenig repräsentative Werksstandort der bisherigen Gaseaktivitäten im Münchener Vorort Höllriegelskreuth bei Pullach. Kenner erwarten jedoch, dass Reitzle bald eine repräsentative Konzernzentrale näher an München bauen lassen wird.

Mit dem Umzug Lindes wird München die Position als Dax-Hauptstadt ausbauen. Acht im deutschen Aktienindex notierte Konzerne werden hier künftig ihren Sitz haben. Gemeinsam kommen sie auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 200 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Auf dem zweiten Platz rangiert Düsseldorf mit drei Dax-Unternehmen und einem gemeinsamen Börsenwert von gut 78 Mrd. Euro.

Linde-Chef Reitzle hat eine starke Verbindung zu München. Daran erinnerte ihn nicht nur der BMW, den er am Montag auf dem Testzentrum mit Wasserstoff betankte. „23 Jahre kann man nicht so einfach abschütteln“, sagte er bei der Hauptversammlung von Linde im Mai in München, als er wieder einmal „BMW“ sagte, aber seinen jetzigen Arbeitgeber Linde meinte. Seine langjährige Tätigkeit bei dem Autokonzern steckt noch immer in ihm.

Zudem wohnt seine Frau, die gebürtige Münchnerin und Fernseh-Moderatorin Nina Ruge, die meiste Zeit in München. Hier wird ihre Sendung „Leute heute“ produziert. Doch Reitzle wird nicht gern darauf angesprochen, ob er sich auf den Umzug nach München freut. Schließlich habe die Verlegung der Zentrale nach München wirtschaftliche und keine privaten Gründe. Zudem ist Reitzle einen Großteil des Jahres ohnehin im Ausland unterwegs. Da war auch Wiesbaden mit seiner Nähe zum Frankfurter Flughafen kein schlechter Ausgangspunkt.

In München freut man sich jedenfalls auf den neuen Weltkonzern mit Sitz in der Landeshauptstadt. Schließlich gab es zuletzt von heimischen Großkonzernen wie Allianz und Siemens auch viele negative Nachrichten. Linde geht es dagegen derzeit gut. „Das ist äußerst erfreulich“, sagt Münchens SPD-Chef Franz Maget. Zukunftstechnologien seien in der Stadt hochwillkommen.

Auch Umweltminister Werner Schnappauf freut sich: „Das ist das I-Tüpfelchen für den Wasserstoff-Standort Bayern.“ Im Großraum München gebe es 30 Unternehmen, die sich mit dem Thema befassen, nun komme mit Linde einer der ganz großen dazu. Bis sich der Wasserstoff allerdings flächendeckend als Autokraftstoff durchsetzt, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Die neue Versuchstankstelle in Lohhof bei München wird zwar laut Linde durchschnittlich nur zehn Fahrzeuge am Tag betanken – damit werde sie weltweit aber gleich die bestbesuchte ihrer Art sein.

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