Neue Märkte im Blick
Eon-Chef räumt mit den Altlasten seines Vorgängers auf

Der schwächelnde Heimatmarkt zwingt Eon-Chef Teyssen zu einem radikalen Strategiewandel. Sein Vorgänger Bernotat hatte für Milliardensummen in Europa zugekauft, nun sieht der Konzern die Wachstumsmärkte in Asien und Südamerika. Was Teyssens Renditeziele nicht erfüllt, kommt auf den Prüfstand. Selbst das Deutschland-Geschäft ist nicht mehr tabu.
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DÜSSELDORF. Ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt wird die neue Strategie des Eon-Chefs Johannes Teyssen sichtbar. Der Energiekonzern soll sich künftig nicht nur in Europa, sondern auch in Asien oder Südamerika engagieren, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr. Eon will sich als Spezialist für Modernisierung, Bau und Betrieb von Kraftwerken weltweit positionieren. Um die neuen Wachstumsfelder finanzieren zu können, sollen in Europa unrentable Aktivitäten verkauft werden.

Sein Vorgänger Wulf Bernotat hatte Milliardensummen in Beteiligungen in Südeuropa, Skandinavien und Russland gesteckt. Wegen der daraus resultierenden hohen Schuldenlast hatte sich Eon anschließend von anderen Beteiligungen getrennt, darunter die Stadtwerke-Tochter Thüga, das deutsche Höchstspannungsnetz und die US-Tochter. Es wird bereits erwartet, das Teyssen weitere Verkäufe in die Wege leitet.

Konkrete Schritte hat der Konzern bereits in Großbritannien unternommen. Deutschlands größter Energiekonzern ist einem Zeitungsbericht zufolge in fortgeschrittenen Gesprächen mit Interessenten über sein dortiges Stromnetz. Ein Konsortium um die staatliche Investmentgesellschaft von Abu Dhabi, den Investor Canada Pension Plan und die australische Bank Macquarie sei erst vor kurzem an Eon herangetreten, berichtete die „Sunday Times“. Als Kaufpreis für das zweitgrößte Stromnetz des Landes sei ein Betrag von bis zu 3,5 Mrd. Pfund (4 Mrd. Euro) im Gespräch. Von dem Unternehmen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Eon-Chef Teyssen will am kommenden Mittwoch seine neue Strategie präsentieren. Dann werden auch die Ergebnisse des dritten Quartals präsentiert. Bereits am Montag tritt der Aufsichtsrat zusammen, um über die Pläne zum Konzernumbau zu beraten.

Teyssen reagiert mit den Plänen auf die beschränkten Perspektiven auf dem Heimatmarkt Deutschland und in Europa. Dort schwächelt das Geschäft weil im Großhandel die Preise für Gas und Strom unter Druck sind. Zudem drohen durch den Emissionshandel oder die neue Brennelementesteuer neue Belastungen. Teyssen war im Mai an die Eon-Spitze gerückt.

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  • Es kommt mir vor, wie strategieloser Aktionismus
    und mein bauchgefühl sagt mir, daß es ähnlich wie
    bei der Telekom laufen wird - spaßloses Aktienjahrzehnt
    bei Abschreibung der Neuinvestitionen.

    Das Faultier

  • E.ON musste das Hochspannungsnetz wegen Marktmanipulation verkaufen. Das ist schon mal ein Techno-desaster.

    Es muss aber ein Länder übergreifendes Netz gebaut werden, um regenerativen Strom dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird. intelligente Netze, das ist doch kein Thema, bei dem E.ON punkten kann.

    Speicherung von regenerativem Strom wird in bW gerade ausprobiert vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung. Methanisierung, das ist elektrolisierter Überschussstrom, der dann an Kohlenstoff zu CH4 gebunden wird, und in existenten Erdgasspeichern gelagert wird. Das Netz- und Speicherproblem regenerativer Energie wird gerade in diesem Pilotprojekt gelöst, tres simple.

    Es werden bei uns deutsche Mittelständler sein, die hier sich profilieren werden, wie z.b. centrotherm für den bau von PV Fabriken.

    E.ON ist ein bruchladen, der verschwinden wird. Selbst das CDU Geschenk zur AKW - Laufzeitverlängerung wird doch nicht für den internen Umbau zu einem regenerativen Weltkonzern genutzt.

    ich sag immer: Siemens war Kaufmann und Jurist, bosch war Kaufmann und Jurist. in Umbruchszeiten sind Kaufmänner und Juristen die Visionäre, die die Weltkonzerne bauen können.

    Aber: wenn es soweit gekommen ist, das die eigentlichen berater des Muss-Technik CEO für die Umbruchszeit die Macht in einem Konzern übernommen haben, dann ist es schlimm um das Unternehmen bestellt.

    Theyssen ist doch nicht besser als Rekordverlustbringer bernotat, der seine revolutionäre Volksnähe dadurch zum Ausdruck brachte, dass er auch mit gemeinen Mitarbeitern in der Kantine gegessen hatte.

  • @ Winter – Wenn Eon technische Kompetenz nicht mehr hat und auch nicht mehr aufbauen kann, dann sehe ich fuer diese Firma kaum eine Zukunft. ich kann ihnen also nicht widersprechen. Aber welche Firma kann Kompetenzen auf dem Gebiet Speicherung, Transport und Verteilung am besten vorantreiben?

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