Neue Manager haben Insolvenzerfahrung: Märklin: Schock zum Jubiläum

Neue Manager haben Insolvenzerfahrung
Märklin: Schock zum Jubiläum

Der traditionsreiche Modellbahnhersteller Märklin fährt seit Jahren von einem Krisenbahnhof zum nächsten. Während das Unternehmen von starken Auftragseingängen und steigenden Umsätzen schwärmt, türmen sich in der Bilanz die Verluste. Nun wird erneut die Geschäftsführung ausgetauscht. Die Branche spricht bereits von Abwicklung.

GÖPPINGEN. Der erneute Wechsel in der Geschäftsführung von Märklin sorgt für Unruhe bei Mitarbeitern und Kunden des Modelbahnherstellers. Beide zum Februar bestellten Geschäftsführer weisen keine Erfahrungen in der Spielwarenbranche aus. Gemeinsam ist ihnen auch dies: Beide meldeten bei den von ihnen zuletzt geleiteten Unternehmen wenige Monate nach Amtsantritt Insolvenz an.

Ralf Coenen (47) begleitete das Ende von Maxdata. Im Februar 2008 trat Coenen sein Vorstandsamt an. Im Juni gab der Computerbauer aus Marl (Recklinghausen) auf.

Rainer Nothwang (54) kam im März 2008 als Geschäftsführer zum Tankstellen-Betreiber Lomo in Bad Hersfeld. Im Juli meldete das mehr als hundert Jahre alte Traditionsunternehmen Insolvenz an.

Weder bei Coenen noch bei Nothwang gibt es Hinweise, dass sie selbst für den Untergang ihrer Firmen mitverantwortlich sind. Die Bestellung der neuen Manager an die Spitze von Märklin löst jedoch erhebliche Bedenken aus. "Das sieht doch aus, als ob jetzt die Abwickler geholt werden", sagt ein Geschäftspartner.

Märklin selbst gibt an, nicht die Insolvenzerfahrung, sondern die Erfahrung mit Restrukturierungen sei der Grund für die Bestellung von Coenen und Nothwang gewesen. Die beiden sollten nun die Weichen für profitables Wachstum stellen.

Dies ist derselbe Auftrag, den zuvor bereits mehrere andere Geschäftsführer vom Eigentümer, dem Finanzinvestor Kingsbridge Capital erhielten. Am Freitag gab Märklin bekannt, man habe 2008 den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent auf 128 Millionen Euro gesteigert. Der Fehlbetrag im operativen Geschäft sei leicht gesunken. 2007 lag das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit bei minus 3,2 Millionen Euro. Den Wert für 2008 ließ Märklin offen.

Wie schlecht es Märklin wirklich geht, ist am Sitz in Göppingen ein heiß diskutiertes Thema. Schon im Juli schreckte das Unternehmen mit der Nachricht auf, es müssten zehn Prozent Personalkosten eingespart werden. Diese Ankündigung kam aber zu einer Zeit, als das Unternehmen noch Erfolgsmeldungen verbreitete. Das erste Halbjahr habe ein Umsatzplus von 22 Prozent ergeben, hieß es. Märklin sei auf gutem Wege.

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