Neue Nummer eins in der Aluminiumbranche muss aber Auflagen erfüllen
Monti gibt Alcan grünes Licht für Pechiney-Übernahme

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat dem kanadischen Aluminium- und Verpackungskonzern Alcan grünes Licht für die Übernahme des französischen Konkurrenten Pechiney erteilt, dies aber mit Auflagen verbunden. Zugleich verzichteten die Wettbewerbshüter auf eine eingehende Prüfung des vier Milliarden Euro teuren Deals, mit dem Alcan zum neuen Weltmarktführer aufsteigt.

DÜSSELDORF. Nachdem am Montag Morgen bereits die Pariser Finanzmarktaufsicht CMF zugestimmt hat, steht nun noch die Freigabe durch die Kartellabteilung des US-Justizministeriums aus. Das Alcan-Management ist zuversichtlich, sie „in Kürze“ zu erhalten.

Für den Fall einer längeren Prüfung durch Brüssel hatte Alcan-Chef Travis Engen damit gedroht, die Übernahme abzubrechen. Er habe kein Interesse „an einer mehrmonatigen Verzögerung, in der das Managementteam abgelenkt ist und die Kunden in Ungewissheit über das Ergebnis sind“. Gleichwohl müssen die Kanadier Produktionskapazitäten in Europa – insbesondere bei Aluminiumblechen – abstoßen.

Bereits im Vorfeld hatte Alcan signalisiert, entweder seinen Anteil am weltweit größten Walzwerk Alunorf bei Neuss oder am französischen Walzwerk in Neuf-Brisach abzugeben. Da die Bleche aus Norf vor allem in Göttingen und die aus Neuf-Brisach in Annecy weiterverarbeitet werden, dürfte es zu einer rein deutschen oder rein französischen Lösung kommen.

Alcan hat nun einige Monate Zeit, um die Auflagen der EU-Kommission zu erfüllen. Die Kanadier können selbst entscheiden, von welcher Beteiligung sie sich trennen. In der Branche tippt man auf Neuf-Brisach. Üblicherweise macht Brüssel bei Übernahmen den beteiligten Unternehmen strikte Vorgaben.

Wie im Jahr 1999: Damals scheiterte ein Dreierbündnis aus Alcan, Pechiney und der Schweizer Algroup, weil sich Alcan weigerte, seinen Anteil an Alunorf zu verkaufen, am Veto aus Brüssel. Folge: Die Kanadier mussten sich mit Algroup begnügen. Anfang 2002 kam es zur nächsten Großfusion in der Branche: Der norwegische Mischkonzern Norsk Hydro kaufte die deutsche VAW Aluminium und wurde zum neuen Marktführer in Europa.

Die starke Stellung der Norweger half Alcan-Chef Engen nun, sein Ziel im zweiten Anlauf zu erreichen. Durch die Fusion von Alcan und Pechiney entsteht ein Unternehmen mit 21 Mrd. Euro Umsatz und 88 000 Mitarbeitern in 50 Ländern. Sie verdrängt den Weltmarktführer Alcoa von Platz eins.

Die Nettomarge der Amerikaner liegt mit 4,3 % über der des neuen franko-kanadischen Großkonzerns. Alcan selbst schafft zwar auch an die 4 %, doch Pechiney muss nach leichten Verlusten im ersten Quartal 2003 und schmalen Gewinnen von April bis Juni erst noch beweisen, wie stabil der Turn-around ist.

Gemeinsam mit Alcan stehen die Chancen für eine Rendite-Verbesserung aber gut. Die Fusion soll 250 Mill. $ jährlich einsparen. Alcan produziert dank eigener Wasserkraftwerke günstig, Pechiney ist führend in der Schmelztechnologie und ein wichtiger Zulieferer für die Luftfahrtbranche. Beide zusammen sind mit ihren Schwerpunkten in Europa und Nordamerika breiter aufgestellt als Alcoa. Travis wird den Konzern alleine führen. Pechiney-Chef Jean-Pierre Rodier will zurücktreten, sobald Alcan die Kontrolle bei Pechiney übernommen hat.

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