Industrie

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Neue Öl- und Gasfelder: Shell treibt umstrittene Projekte voran

Das Geschäft mit Flüssiggas beschert dem Energiekonzern Shell ein zweistelliges Gewinnplus. Um auch in Zukunft zu wachsen, treibt das Unternehmen seine umstrittenen Pläne in Nigeria und der Arktis voran.

Shell-Raffinerie in Hamburg: Der Ölkonzern hat trotz eines höheren Gewinns die Analysten enttäuscht. Quelle: dpa
Shell-Raffinerie in Hamburg: Der Ölkonzern hat trotz eines höheren Gewinns die Analysten enttäuscht. Quelle: dpa

LondonDer Ölkonzern Shell hat im vierten Quartal dank einer erhöhten Produktion einen zweistelligen Gewinnanstieg hingelegt. Analysten hatten allerdings mit deutlich mehr gerechnet. Wie das Unternehmen am Donnerstag in London mitteilte, stieg der von Analysten im Fokus stehende bereinigte Gewinn auf vergleichbarer Kostenbasis (CCS) um 15 Prozent auf 5,58 Milliarden US-Dollar; auch unterm Strich blieb ein Plus.

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Damit konnte Shell aber nicht an das starke Vorquartal anknüpfen, in dem der Konzern rund eine Milliarde mehr verdient hatte. Im Gesamtjahr verbuchte Shell einen Gewinnrückgang um 14 Prozent auf 26,59 Milliarden Dollar (19,7 Mrd Euro). Hier drückte vor allem das erste Halbjahr mit niedrigeren Öl- und Gaspreisen.

Für das Gewinnplus im vierten Quartal sorgte vor allem das Geschäft mit Flüssiggas, dessen Absatz dank des australischen LNG-Projekts Pluto um 13 Prozent auf fast 5,49 Millionen Tonnen zulegte. Unterm Strich blieben dem Konzern und den Aktionären 6,67 Milliarden Dollar (4,9 Mrd Euro), ein Plus von drei Prozent zum Vorjahr.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

  • Die größten Öl- und Gaskonzerne

    Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

    Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

  • Platz 10

    ENI (Italien)

    Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

  • Platz 9

    Sinopec (China)

    Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

  • Platz 8

    Total (Frankreich)

    Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

  • Platz 7

    Gazprom (Russland)

    Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

  • Platz 6

    Petrobras (Brasilien)

    Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

  • Platz 5

    BP (Großbritannien)

    Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

  • Platz 4

    Chevron (USA)

    Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

  • Platz 3

    Royal Dutch Shell (Großbritannien)

    Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

  • Platz 2

    PetroChina (China)

    Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

  • Platz 1

    Exxon Mobil (USA)

    Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Da der Konzern viele neue Projekte vorantreibt, kann er sich nach eigenen Angaben trotz des „ungewissen Ausblicks“ in einigen seiner Märkte eine höhere Dividende leisten. Die Ausschüttung soll um fast fünf Prozent auf 43 Cent pro Aktie steigen. „Die Anstrengungen von Shell, die Pipeline neuer Energieprojekte zu erweitern, zahlen sich aus“, erklärte Vorstandschef Peter Voser.

Der britisch-niederländische Ölkonzern treibt seine Pläne zur Erkundung neuer Öl- und Gasfelder mit Milliardeninvestitionen auch in umstrittene Gebiete wie Nigeria voran. Im neuen Jahr will der Konzern nach Angaben von Donnerstag dafür weitere 33 Milliarden Dollar in die Hand nehmen und damit den Grundstein für künftiges Wachstum legen.

Ein Teil davon soll auch ins westafrikanische Nigeria fließen. Dort wurde einer Konzerntochter erst kürzlich per Gerichtsurteil eine Mitverantwortung für Umweltverschmutzung gegeben. Auch in der Arktis sollen neue Felder erschlossen werden – dort wiederum erlebte das Unternehmen eine ganze Reihe von Pannen, die Fragen zur Sicherheit der Anlagen aufwarfen.

Anleger reagierten zunächst zurückhaltend: Die Aktien verloren im frühen Geschäft um 1,4 Prozent und damit stärker als der Gesamtmarkt in London.

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