Neue Pläne für deutsche Standorte
Mittal wird Arcelor-Aktionäre nicht los

Knapp fünf Monate nach den Abschluss der Übernahmeverhandlungen zwischen Mittal und Arcelor gehören alle Arcelor-Aktien dem niederländisch-indischen Stahlkonzern. Alle Arcelor-Aktien? – Nein! Eine Handvoll unentwegter Aktionäre widersetzt sich immer noch der Übernahme. Und die kann Mittal nicht so einfach loswerden.

HB ROTTERDAM. Nach Ablauf der Übernahmefrist seien weniger als 95 Prozent des Unternehmens dem Bieter Mittal Steel zum Kauf angeboten worden, teilte Arcelor Mittal am Montag in Rotterdam mit. Eine Zwangsabfindung der Minderheitsaktionäre (Squeeze-Out) sei damit nicht möglich. Die Angebotsfrist war am vergangenen Freitag ausgelaufen.

Laut Medienberichten waren einige Minderheitsaktionäre mit der Barofferte von 40,40 Euro pro Arcelor-Titel unzufrieden, da der Aktienkurs des Stahlkonzerns in der vergangenen Woche über dieser Marke notiert hatte. Weltmarktführer Mittal hatte ein Übernahmeangebot über 26 Mrd. Euro für Arcelor unterbreitet.

Die Konzerne hatten sich nach einer monatelangen Übernahmeschlacht Ende Juni auf einen Zusammenschluss geeinigt. Damit entsteht der mit Abstand größte Stahlkonzern der Welt mit einer Jahreskapazität von 130 Mill. Tonnen und rund 320 000 Beschäftigten.

Gleichzeitig arbeitet Mittal einem Zeitungsbericht zufolge an einer stärkeren Spezialisierung der deutschen Standorte von Arcelor. In den Werken in Bremen und Eisenhüttenstadt solle die Produktion erhöht werden, berichtete „Die Welt“. „Beide Stahlwerke sind sowohl Anbieter für unsere deutsche Kundschaft wie auch wichtige Brückenköpfe nach Osteuropa“, sagte Arcelor-Mittal-Vorstand Michel Wurth der Zeitung. Der Konzern müsse bei den beiden Standorten Überschneidungen und unnötige Doppelproduktionen vermeiden, sagte der Manager. Für die Stahlwerke in Thüringen, von der sich der Konzern aus kartellrechtlichen Gründen trennen muss, bestehe reges Interesse. „Das Interesse ist groß, von strategischen Investoren und auch von Finanzinvestoren“, sagte Wurth dem Blatt.

Neben den genannten Werken verfügt Arcelor über eine Beteiligung an der Dillinger Hütte im Saarland. In den fusionierten Konzern bringt Mittal die Hamburger Stahlwerke und das Stahlwerk Ruhrort ein.

Erst vor Kurzem hatte Arcelor Mittal bekräftigt, dass die im Sommer beschlossene Fusion zum weltgrößten Stahlkonzern bis Juni 2007 abgeschlossen sein soll. Der Zeitplan hänge von einer Reihe behördlicher Genehmigungen ab. Unter anderem müsse die US-Börsenaufsicht dem Zusammenschluss zustimmen. Arcelor Mittal werde die „größtmöglichen Anstrengungen“ unternehmen, um bis Mitte des kommenden Jahres die Übernahme Arcelors durch Mittal Steel abzuschließen.

Das Unternehmen teilte auch den vorzeitigen Rückkauf einer 2017 fälligen Wandelanleihe aus dem Bestand des französischen Stahlherstellers Usinor mit, der 2002 zu den Gründungsunternehmen von Arcelor gehörte. Dieser Rückkauf der „Oceane“-Wandelanleihen, von denen weniger als zehn Prozent der ursprünglich ausgegebenen Papiere noch auf dem Markt sind, soll bis 15. Dezember abgeschlossen sein.

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