Neue Probleme für Boeing: Startbahn für den „Dreamliner“ wird immer länger

Neue Probleme für Boeing
Startbahn für den „Dreamliner“ wird immer länger

Boeing muss den Jungfernflug seines "Dreamliners" offenbar nochmals verschieben. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" wird die neue 787 nicht vor Juni erstmals abheben. Die Börse reagierte empfindlich auf die Nachricht: Der Kurs der Boeing-Aktie verlor innerhalb von Minuten rund sechs Prozent.

NEW YORK. Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing hat offenbar neue Probleme, seinen Bestseller Dreamliner rechtzeitig auf die Startbahn zu bekommen. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" könnte Boeing möglicherweise schon am Mittwoch weitere Verzögerungen in der Produktion der neue 787 verkünden. Demnach wird das Flugzeug nicht vor Juni seinen Jungfernflug machen.

Die Auslieferung von 109 Maschinen bis Ende 2009 an den ersten Kunden All Nippon Airways seien kaum noch zu schaffen, schreibt die US-Zeitung. Sie beruft sich dabei auf Personen, die mit der Situation bei Boeing vertraut sind. Die Börse reagierte empfindlich auf die Nachricht: der Kurs von Boeing verlor innerhalb von Minuten rund sechs Prozent.

Sollte es zu weiteren Lieferverzögerungen kommen, droht dem amerikanischen Flugzeugbauer nicht nur ein empfindlicher Imageschaden. Das Unternehmen muss auch mit Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe rechnen. Warten viele Fluggesellschaften doch bereits ungeduldig auf die neue Maschine. Boeing hat insgesamt 817 Bestellungen von 53 verschiedenen Kunden in seinen Auftragsbüchern. Der Reiz des Flugzeugs besteht vor allem in seinem geringen Treibstoffverbrauch. Angesichts eine Ölpreises von fast 100 Dollar pro Fass spielen die Betriebskosten eine immer größere Rolle für die Airlines.

Boeing musste bereits zweimal seinen Zeitplan korrigieren. Zuletzt hatte der Konzern im Oktober mitgeteilt, dass der "Dreamliner" nicht vor Dezember 2008 ausgeliefert werden könne. Ursprünglich sollte die erste 787 bereits im Mai dieses Jahres den Kunden übergeben werden. Die Ursachen für die fortlaufenden Verzögerungen liegen offenbar vor allem bei den Zulieferern. Um die Produktionskosten niedrig zu halten, lässt Boeing viele Einzelteile von Zulieferern in aller Welt herstellen. Die Subunternehmen hatten jedoch nicht nur technische Probleme, sondern konnten auch bestimmte Teile nicht rechtzeitig beschaffen.

Hinzu kommt, dass Boeing -Chef Jim McNerney und sein Management-Team einen überaus ehrgeizigen Zeitplan vorgegeben haben. Ende vergangenen Jahres hatte die Investmentbank Morgan Stanley bereits herabgestuft und das mit absehbar weiteren Lieferverzögerungen begründet. Die Aktie ist inzwischen weit von ihrem Hochstand von 107 Dollar in 2007 entfernt und sackte gestern unter 80 Dollar ab.

Für den Erzrivalen Airbus dürften die Probleme von Boeing eine späte Genugtuung sein. Hatte der europäische Flugzeugbauer doch selbst mit massiven Verzögerungen beim Bau seines Großraumflugzeugs A380 zu kämpfen. Mit der Entwicklung seines direkten Konkurrenzmodells A350 hinkt Airbus etwa vier Jahre hinter dem US-Flugzeug hinterher.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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