Neue Produkte aus der Biotechforschung versprechen überdurchschnittliches Wachstum
Krebsmedikamente geben der Pharmabranche Schub

Die Hersteller von Krebsmedikamenten gehören derzeit zu den großen Gewinnern im Pharmageschäft. Und auf absehbare Zeit dürfte sich an diesem Trend wenig ändern. Dafür sprechen die jüngsten Quartalszahlen aus der Branche wie auch eine Reihe positiver Studienresultate, wie sie in den vergangenen Tagen auf der Jahrestagung der amerikanischen Krebs-Mediziner (ASCO) präsentiert wurden.

FRANKFURT/M. Vor allem Neuentwicklungen aus dem Bereich der Biotech-Forschung werden nach Erwartung von Fachleuten auch in den kommenden Jahren für kräftige Umsatzsteigerungen auf dem Gebiet sorgen. „Krebs ist sicherlich der Bereich, der umsatzmäßig am stärksten wächst“, sagt Roland Maier, Pharmaexperte der Schweizer Investmentgesellschaft BB Biotech. Im vergangenen Jahr stiegen die Erlöse mit Krebsmedikamenten nach Daten der Marktforscher von IMS Health um 17 Prozent auf 24 Mrd. Dollar. Erstmals überrundete die Medikamentenklasse damit Anti-Depressiva als drittstärkste Kategorie des Pharmamarktes, nach Cholesterinsenkern und Magenmitteln. Und führende Hersteller wie Roche, Novartis, Sanofi-Aventis oder Pfizer verbuchten im ersten Quartal 2005 weiterhin deutlich zweistellige Zuwächse auf dem Gebiet.

Dabei spielte das Thema Krebs für die großen Pharmahersteller noch bis Mitte der 90er Jahre kaum eine Rolle. Das sollte sich erst ändern, nachdem zunächst verbesserte Varianten so genannter Chemotherapeutika erste Erfolge verbuchten. Ende der 90er Jahre schließlich schafften neuartige Biotech-Medikamenten, darunter zum Beispiel das Blutkrebsmittel Rituxan, den Durchbruch. Diese so genannten zielgerichteten Krebsmittel zeichnen sich gegenüber den klassischen Zytostatika dadurch aus, dass sie spezifisch die Wachstumsfaktoren von Tumorzellen angreifen und gesundes Gewebe weitgehend schonen.

Das bietet aus medizinischer als auch aus kommerzieller Sicht entscheidende Vorteile. Denn diese Wirkstoffe können zusätzlich zu etablierten Mitteln genutzt werden, ohne die Nebenwirkungen gravierend zu verstärken. Sie verlängern die Überlebenszeit und können zugleich auch über längere Zeiträume eingesetzt werden. Experten der DZ Bank sprechen in einer Studie vom Trend zur „Chronifizierung“ in der Krebsbehandlung.

Zwar gibt es auch bei diesen neuartigen Wirkstoffen immer wieder Enttäuschungen. Fortschritte in der Forschung und eine sehr große Zahl an Entwicklungsprojekten sprechen jedoch dafür, dass nach und nach weitere Substanzen die Zulassung schaffen.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund haben fast alle großen Pharmakonzerne ihr Engagement auf dem Gebiet verstärkt – wenn auch mit durchwachsenem Erfolg. Auf internationaler Ebene dürften auf absehbare Zeit vor allem der Baseler Roche-Konzern und seine US-Tochter Genentech dominieren. Sie konnten jüngst mit einer ganzen Serie positiver Studienergebnisse aufwarten. In Deutschland ist es bisher nur der Darmstädter Merck-Gruppe gelungen, mit dem Darmkrebs-Präparat Erbitux ein aussichtsreiches Krebsmittel auf den Markt zu bringen. Bayer könnte Anfang 2006 mit einem Mittel gegen Nierenkrebs folgen. Bei Schering haben dagegen die Daten für das Haupt-Entwicklungsprodukt PTK bislang enttäuscht.

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