Neue Satzung
Thyssen-Krupp schützt sich vor Übernahmen

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp fürchtet offenbar, im Zuge der Konsolidierung in der Stahlindustrie selbst Ziel einer feindlichen Übernahme zu werden. Um besser gegen einen möglichen Angriff geschützt zu sein, soll die Hauptversammlung am 19. Januar 2007 eine Satzungsänderung beschließen.

ESSEN. Die Änderung soll dem Großaktionär Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung ein Entsendungsrecht für den Aufsichtsrat sichern würde. Dies teilte Konzernchef Ekkehard Schulz auf der Bilanzpressekonferenz mit.

Entsprechend ihrem Anteil am Grundkapital soll die Stiftung bis zu drei Aufsichtsräte stellen. Insgesamt gehören dem Kontrollgremium 20 Personen an. Gemeinsam mit den zehn Arbeitnehmervertretern hätte die Stiftung eine komfortable Mehrheit im Aufsichtsrat, selbst für den Fall, dass ein Angreifer die Aktienmehrheit über die Börse erwirbt. „Das ist ein klares Übernahmehindernis“, sagt ein Aktienrechtsexperte.

Die Börse reagierte prompt. Der Aktienkurs gab um 1,7 Prozent nach. Schulz hatte die Satzungsänderung damit begründet, Thyssen-Krupp dürfe es nicht gehen wie einem Konkurrenten, der kürzlich übernommen wurde, weil er keinen Großaktionär hatte, der ihn im Abwehrkampf geschützt habe. Namen nannte er nicht, aber Ende Juni hatte der weltgrößte Stahlproduzent Mittal Steel für 26 Mrd. Euro die europäische Nummer eins Arcelor geschluckt und damit eine neue Übernahmewelle in der Branche ausgelöst. Derzeit liefern sich Tata Steel und CSN ein Bietergefecht um Corus.

Auch Thyssen-Krupp, das im Geschäftsjahr 2005/06 mit 1,8 Mrd. Euro ein neues Rekordergebnis in seinen Sparten Stahl und Edelstahl eingefahren hat, muss sich vorsehen: Gerüchte, finanziell starke Konkurrenten wie die russischen Stahlriesen Evraz und Severstal wollten sich den Konzern einverleiben, halten sich hartnäckig. Auch Finanzinvestoren könnten einen Angriff starten, heißt es in Bankkreisen. Lukrativ wäre eine Übernahme und Filetierung des diversifizierten Konzerns. JP Morgan schätzt, dass die Summe der Einzelteile mit knapp 30 Mrd. Euro doppelt so viel wert ist wie die aktuelle Börsenkapitalisierung.

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