Neue Signaltechnik ist zu teuer
Pläne für Europa-Bahn auf Eis

Die Pläne der europäischen Bahnen für eine gemeinsame Signal- und Sicherungstechnik sind auf die lange Bank geschoben. Für die Installation des einheitlichen European Train Control System (ETCS) fehlt das Geld. Der Industrie entgehen auf Jahre lang erhoffte Milliardengeschäfte.

DÜSSELDORF.Dabei wollte die EU das neue System, dessen Entwicklung sie mit ihren Mitteln kräftig gefördert hat, möglichst schnell realisieren lassen. Denn es würde die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber der Straße steigern, weil die Züge ohne zeitraubende Aufenthalte über Grenzen hinweg fahren könnten.

„ETCS ist eine sehr sinnvolle Technik, weil sie alte, nationale Systeme ablöst“, lobt Joachim Fried, Bevollmächtigter der Deutschen Bahn AG (DB) für europäische Angelegenheiten. Nur auf allen Hochgeschwindigkeitsstrecken ist die Installation der neuen Technik bisher EU-weit gesetzliche Pflicht und wird nach und nach in den nächsten Jahren eingeführt.

Dagegen droht die wirtschaftlich viel interessantere Absicht, Güterzüge ohne teure und zeitraubende Lokwechsel an den Grenzen auf lukrativen internationalen Langstrecken zu fahren, zu scheitern. Die dafür von der EU geforderte flächendeckende Installation von ETCS sei zu teuer, sagt Fried. Um die 24 000 Kilometer des DB-Kernnetzes umzurüsten, sei „ein Mehrmilliarden-Betrag“ erforderlich. Selbst wenn EU und Bund ETCS vollständig finanzierten, „fehlt uns das Geld an anderer Stelle“, betont Fried mit Blick auf den zusammengestrichenen Verkehrsetat des Bundes. Den Nachbarbahnen gehe es nicht anders.

Hinzu kommt, dass die Bahnen in ihren Netzen mit nationaler Betriebsleittechnik fahren, die technisch auf dem Stand von ETCS ist. „Wir müssten noch nicht abgeschriebene Systeme austauschen“, sagt Fried. In den nächsten zehn bis 15 Jahren bestehe dazu kein Anlass. Auch eine Doppelausrüstung von neuer und alter Technik sei zu teuer.

Die Hersteller, die nach Schätzungen des Verbandes der Bahnindustrie (VDB) allein in Deutschland rund 200 Mill. Euro in die ETCS-Entwicklung gesteckt haben, sehen das mit Schrecken. ETCS sei „die bahnbrechende Neuerung für den effizienten grenzüberschreitenden Schienenverkehr“, sagte VDB-Präsident Friedrich Smaxwil dem Handelsblatt. Der Siemens-Manager und der Verband schlagen vor, erst einmal wichtige europäische Streckenkorridore des Güterverkehrs mit neuer Technik auszustatten.

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