Neue Sparrunde erwartet
Ford steht in Europa unter Zugzwang

Nach dem freiwilligen Ausscheiden von Martin Leach als Europa-Chef steigt bei Ford in Köln die Nervosität. Die Manager wissen nur allzu gut, dass sich der zweitgrößte Automobilkonzern der Welt, der unter einem schwachem Heimatmarkt mit einem gnadenlosen Preiskrieg, einer erdrückenden Verschuldung und Lücken in den Pensionskassen leidet, einen Milliarden-Dollar-Verlust bei der Europa-Tochter nicht leisten kann.

hof FRANKFURT. Doch genau das droht, wenn das Geschäft in der aus Köln gesteuerten Region im zweiten Halbjahr nicht deutlich anzieht. Dass Ford fest entschlossen ist, gegen zu steuern, machte Ford-Präsident Nick Scheele bereits klar: „Die Ergebnisse werden sich im zweiten Halbjahr signifikant verbessern“, verkündete er in den USA.

Bei der Kölner Ford-Werke AG hält man sich daher bedeckt: „Zukünftige Ergebnisse kommentiere ich grundsätzlich nicht“, sagt der Vorstandsvorsitzende Bernhard Mattes: „Wir halten unbeirrt an unserer Strategie fest“, unterstreicht er und verspricht positive Impulse im zweiten Halbjahr.

Das allein wird nicht reichen, denn der Druck aus der Konzernzentrale in Dearborn steigt. Wie Ford die Wende schaffen will, ließ auch Präsident Scheele offen. Die Umsetzung überlässt er seinem internen Konkurrenten David Thursfield, der nach dem Rückzug von Martin Leach - er wird als neuer Chef der Fiat Autosparte und der Formel 1 gehandelt - vorläufig die Europa-Geschäfte führen wird. Der Manager, der in der Zentrale für das weltweite Ford-Geschäft außerhalb der USA verantwortlich ist, hat einen Ruf als Sanierer zu verlieren. Doch 774 Mill. $ Verlust im ersten Halbjahr werden sich nicht ausgleichen lassen.

Erste Konsequenzen des rigoroseren Sparkurses machen Marktbeobachter bereits seit Monaten aus: „Ford hat viel Geld in die Entwicklung neuer Modelle gesteckt, nun hat man anscheinend beim Marketing den Rotstift angesetzt“, glaubt Christoph Stürmer von der Marktforschungsfirma Dri Automotive in Frankfurt. Die Modellpalette müsste seiner Meinung mehr hergeben. „Die Krise ist nicht strukturell. Theoretisch lässt sich die Lage schnell verbessern“, glaubt Stürmer im Gegensatz zu Ferdinand Dudenhöffer, dem Geschäftsführer des Prognoseinstituts B&D Forecast, der dem Unternehmen „eine Durststrecke“ prophezeiht.

In den ersten sechs Monaten hat Ford in Europa knapp 4 % weniger Autos verkauft, in Deutschland sogar rund 10 % weniger als im Vorjahr. Den Einbruch in Deutschland erklärt Ford-Werke-Chef Mattes mit einer Konzentration auf ertragreichere Geschäfte. Ob sich diese Strategie durchhalten lässt, ist fraglich. Denn die Verluste besonders im zweiten Quartal sind auch die Folge hoher Lagerbestände. „Beim Absatz lagen wir unter, bei der Produktion über Plan“, heißt es in Unternehmenskreisen. „Richtig ist, dass der Nachfragerückgang deutlicher ausgefallen ist, als wir erwartet haben“, räumt Mattes ein. Entlassungspläne gebe es dennoch nicht. Es gebe schließlich Sparerfolge, die sich erst mit der Zeit zeigen werden, so der Vorstandschef.

Doch die Zeit läuft Ford in Europa davon. Und die Konzerndevise heißt: sparen, sparen, sparen. Wenn in den USA wie angekündigt entlassen wird, ist es schwer vorstellbar, dass Europa bei anhaltenden Verlusten ungeschoren davon kommt. David Thursfield wird – vielleicht zusammen mit dem erfolgreichen Mazda-Sanierer und jetzigen Chef der Ford-Tochter Premier Auto Group, Mark Fields – die Möglichkeit nutzen, mit eisernem Besen zu kehren. Auch um seine eigene Position zu festigen, glauben Beobachter.

In Dearborn ist das Europa-Geschäft nur eines von vielen Problemen. In den letzten zwei Jahren hat der Konzern Verluste von 6,4 Mrd. $ gemacht, im Autogeschäft 2003 kaum noch etwas verdient. Die Wende soll nun der neue F 150 bringen. Der Pick up – 2002 das meistverkaufteste Auto der USA – wird mit einem Marketing-Budget von 100 Mill. $ in den Markt gedrückt. Er soll die Gewinne wieder sprudeln lassen. Das ist auch nötig, schon allein, um die Zinsdienste für Schulden von mehr als 160 Mrd. $ zu leisten.

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