Neue Spitzentreffen vor Ablauf der Bieterfrist
Fiat sucht bei Opel die Entscheidung

Nach Informationen aus Unternehmens- und Landesregierungskreisen will Fiat-Chef Sergio Marchionne vor Ablauf der Opel-Angebotsfrist die Ministerpräsidenten aller Länder mit Opel-Werken besucht haben. Mit den Treffen intensiviert Fiat das Werben für seinen Übernahmeplan in der deutschen Politik weiter und unterstreicht, dass die Italiener es mit ihren Plänen für Opel bitterernst meinen.

hz/kk/pm/pk FRANKFURT/BERLIN. Fiat will nach dem Einstieg beim insolventen US-Konzern Chrysler mit dem GM-Europageschäft zum zweitgrößten Autohersteller der Welt aufsteigen. Dabei sollen die GM-Marken Opel, Vauxhall und Saab erhalten bleiben. Marchionne sagte zum Wochenende, der Plan sei "fast fertig" und werde bis zum 20. Mai in Berlin vorliegen. Die italienische Regierung erhielt von Fiat offenbar Arbeitsplatzgarantien, um Sorgen um einen massiven Arbeitsplatzabbau in Italien zu zerstreuen. Am Samstag hatten Tausende Fiat-Mitarbeiter in Turin für ihre Arbeitsplätze demonstriert.

Am Sonntag traf sich Marchionne nun mit Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers; auch Thüringens Ministerpräsidenten Dieter Althaus (beide CDU) wird er noch einen Besuch abstatte. Auch der Opel-Zentrale in Rüsselsheim wird der Fiat-Boss voraussichtlich bei dieser Deutschlandreise erstmals einen Besuch abstatten, erfuhr das Handelsblatt. Sprecher von Fiat, Opel und der Staatskanzleien wollten die Informationen nicht kommentieren.

Die Bundesregierung und Opel-Mutterkonzern General Motors erwarten bis Mitte der Woche verbindliche Angebote von den Opel-Interessenten, zu denen neben Fiat in erster Linie der kanadisch-österreichische Zulieferkonzern Magna zählt. Fiat-Boss Marchionne bringt sich mit der Reise in Stellung für die voraussichtlich vorentscheidende Runde der Rettungsbemühungen um Opel. Marchionne hatte nach einem Treffen mit der Bundesregierung Anfang Mai schon den beiden anderen Entscheidungsträger mit Opel-Werken in ihren Ländern, Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Rheinland-Pfalz Regierungschef Kurt Beck (SPD), einen Besuch abgestattet - war jedoch bei den beiden auf Zurückhaltung gestoßen.

Auch der Zulieferer Magna, der bisher in Berlin nur ein Grobkonzept abgeliefert hat, stellt sich zur letzten Runde auf. In Branchenkreisen hieß es, Magna stehe kurz davor, mit seinen russischen Partnern seine endgültige Offerte zu besiegeln. Weder Magna noch ein Sprecher des Kreml wollten dies allerdings bestätigen. In Unternehmenskreisen hieß es lediglich, Magna werde die Frist bis Mittwoch für das Angebot einhalten.

Der Autozulieferer greift mit russischen Partnern, darunter die Sberbank und der russische Autobauer GAZ, ebenfalls nach einer Mehrheit von Opel.

Das von der Bundesregierung betriebene Treuhandmodell als Übergangslösung für Opel steht derweil vor neuen Hürden. Neben den Amerikanern, die weiter eine Übereignung der GM-Anteile an einen Treuhänder ablehnen, ist der Plan auch unter den avisierten Banken auf Bedenken gestoßen. Nach Informationen aus Branchenkreisen sträubt sich derzeit noch die WestLB aus Nordrhein-Westfalen, die selbst mit massiven Problemen kämpft, für den Autobauer tief in die Schatulle zu greifen. Ein West-LB-Sprecher wollte sich zu diesen Informationen nicht äußern. In Branchenkreisen heißt es, dass alle Landesbanken sehr vorsichtig seien, weil man sich dort keinen neuen Streit mit Brüssel einhandeln wolle. Noch seien viele Details der geplanten Finanzierung allerdings unklar. Endgültige Entscheidungen über eine Teilnahme der Banken seien deshalb noch nicht gefallen. Auch beim regelmäßigen Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Unionsministerpräsidenten am Donnerstag gab es Diskussionen. Dabei ging es nach Informationen des Handelsblatts vor allem um die Lastenverteilung zwischen Bund und Ländern.

Bund und Länder wollen die GM-Anteile an Opel an einen Treuhänder, wahrscheinlich die staatseigene KfW-Bankengruppe, übereignen, und dem Unternehmen über ein Bankenkonsortium einen staatlich verbürgten Sofortkredit als Überbrückung gewähren. Die Regierung verschärfte am Wochenende noch einmal die Gangart. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) brachte eine Insolvenz von Opel wieder ins Spiel. Das Treuhandmodell sei die vermutlich letzte Chance, eine Insolvenz zu vermeiden. Die US-Regierung und GM wollen dem Plan bislang aber nicht zustimmen.

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