Neue Steuerforderung
Yukos droht die Pleite

Ein russisches Gericht hat am Donnerstag nach Angaben des Ölkonzerns Yukos die Konten des Unternehmens sperren lassen. Nur wenige Stunden zuvor war bekannt geworden, das russische Behörden von Yukos eine weitere Steuernachzahlung über mehr als drei Milliarden Dollar gefordert haben sollen und dem angeschlagenen Konzern damit endgültig die Pleite drohen könnte.

HB MOSKAU. Wie Yukos am Abend mitteilte, haben Gerichtsvollzieher Banken angewiesen, die Gelder des Unternehmens einzufrieren. Damit sei die Geschäftsfähigkeit von Yukos bedroht, hieß es in der schriftlichen Stellungnahme. Auch sei fraglich, ob Yukos laufende Steuern zahlen und weiter seinen Verpflichtungen gegenüber Kreditgebern nachkommen könne.

Zwei Tage nach der gerichtlichen Bestätigung von Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe für das Jahr 2000 haben die russischen Behörden dem Ölkonzern einem Agenturbericht vom Donnerstag zufolge eine weitere Rechnung über 3,4 Milliarden Dollar präsentiert. Das Steuerministerium fordere von Yukos für das Jahr 2001 Steuernachzahlungen von 3,4 Milliarden Dollar, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Eine gleich hohe Forderung der Behörde für das Jahr 2000 hatte ein Moskauer Gericht am Dienstag bestätigt. Yukos hatte dagegen Berufung angekündigt.

Unbekannt sind bislang die Forderungen der Steuerbehörde für die Folgejahre. Für den Agenturbericht gab es zunächst keine Bestätigung. Die Aktien des Konzerns sackten an der Moskauer Börse um 14 Prozent ab. Unterdessen versuchten Gerichtsvollzieher die Forderung aus dem Jahr 2000 gegen Yukos zu vollstrecken. Yukos hatte zuvor gewarnt, die Vollstreckung der Forderung werde zum Konkurs des Konzerns führen. „Das ist unglaublich, ich bin überrascht, dass der Kurs der Yukos-Aktien nach dieser Nachricht nicht noch weiter gefallen ist“, sagte Natalia Odintsowa von der Fondsgesellschaft Prospekt. Das wahrscheinlichste Szenario für Yukos werde sein, dass die Vermögenswerte verkauft würden und der Konzern zerfalle, sagte sie.

Die Gerichtsvollzieher legten Yukos-Sprecher Alexander Schadrin zufolge einen am Mittwoch ausgestellten Vollstreckungsbeschluss vor. Dieser erlaube den Beginn der Schuldeneintreibung. Darin seien die Gerichtsvollzieher zudem angewiesen worden, eine Inventur des Yukos-Eigentums vorzunehmen und dieses einzufrieren. Es werde Zeit kosten, bis die Anwälte des Konzerns eine Liste mit den Vermögenswerten erstellt haben, sagte er. Der Konzern bot aber an, Einzelheiten seiner Bankkonten offen zu legen sowie der Dokumente, die den Anteil von 35 Prozent am kleineren Konkurrenten Sibneft bestätigen. „Wenn innerhalb von fünf Tagen keine freiwillige Zahlung erfolgt, können die Behörden auf die Vermögenswerte des Unternehmens zugreifen“, sagte ein Moskauer Anwalt. Der allgemeine Zeitrahmen betrage 30 Tage. Wenn der Konzern innerhalb dieser First die Forderungen nicht beglichen habe, könnten die Behörden Konkursantrag gegen Yukos stellen, sagte er.

Yukos hatte bereits vor einiger Zeit gewarnt, dem Konzern stünden nicht genügend Barmittel zur Begleichung der Steuerforderung zur Verfügung. Die Vermögenswerte seien von der russischen Justiz eingefroren worden, so dass das Unternehmen nicht die Möglichkeit habe, weitere Gelder zu beschaffen. Das harte Vorgehen gegen Yukos und seinen ehemaligen Chef und Großaktionär Michail Chodorkowski wird von vielen als Reaktion der Führung um Putin auf mögliche politische Ambitionen Chodorkowskis gesehen. Investoren und die Finanzmärkte reagierten verunsichert. Chodorkowski sitzt seit Oktober vergangenen Jahres wegen des Vorwurfs des Betruges und der Steuerhinterziehung in Haft. Ihm drohen im Fall einer Verurteilung zehn Jahre Gefängnis.

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