Neue Struktur
Conti bereitet Trennung von Gummisparten vor

Der Dax-Konzern Continental teilt sich in zwei Teile und macht damit den Weg für eine Trennung von den Gummisparten frei. Der zukunftsträchtige Zuliefererbereich untersteht unmittelbar dem neuen Konzernchef Karl-Thomas Neumann. Die traditionelle Gummi-Gruppe aus den Reifensparten für PKW und LKW sowie dem Schlauchspezialisten Contitech leitet sein Vize Alan Hippe.

DÜSSELDORF. Conti schaffe damit "ganz klare Führungs- und Verantwortungsstrukturen", sagte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann. Der Hannoveraner Automobilzulieferer gab am Dienstag im Anschluss an eine Sitzung des Kontrollgremiums die Aufteilung bekannt.

Das Ende August vom fränkischen Wälzlagerhersteller Schaeffler übernommene Unternehmen mit Sitz in Hannover reagiert damit vier Wochen nach dem Abgang des ehemaligen Vorstandschefs Manfred Wennemer auf die neue Konstellation. Seit Anfang September führt Technikvorstand Neumann zugleich den Konzern. Der im Kampf um den Spitzenjob unterlegene Hippe stieg zu seinem Vize auf.

Die Räte segneten neben den zum 1. Oktober vorgesehenen strukturellen Änderungen am Dienstag auch die aus der Not geborenen Personalrochaden ihres Chefkontrolleurs Hubertus von Grünberg ab. Der von ihm ursprünglich als Finanzvorstand auserkorene Post-Manager Michael Krause fiel bei Großaktionär Schaeffler durch. Hippe soll deshalb neben seinen Aufgaben in der Konzernspitze weiterhin direkt die PKW-Reifensparte und das Finanzressort führen. Den Schlauchspezialisten Contitech übernimmt Heinz-Gerhard Wente zusätzlich zu seiner Funktion als Personalchef. Den Vertrag von Einkaufsvorstand und LKW-Reifen-Chef Hans-Joachim Nikolin verlängerten die Räte bis zum Jahr 2014.

Experten sehen in der Lösung innerhalb des bestehenden Vorstands ein Zeichen dafür, dass Schaeffler den Ernst der Lage angesichts von Finanzkrise und Einbrüchen auf den Automärkten sieht. "Die Aufgabenteilung spiegelt die klare Erkenntnis wider, dass jetzt nicht die Zeit für Experimente ist", sagt Branchenkenner Engelbert Wimmer von der PA Consulting Group. Die neue Struktur stelle die richtigen Feuerwehrleute an die Brandherde. Wimmer: "Neumann als Entwickler muss Contis Zukauf VDO integrieren und zukünftig Synergien mit Großaktionär Schaeffler heben. Hippe als Finanzspezialist muss potenziell veräußerungsfähige Bereiche auf Rendite trimmen."

Konzernvize Hippe schloss am Dienstag explizit nichts aus. Das Unternehmen erhalte "die notwendige Flexibilität", um auf "eine breite Palette künftiger Entwicklungen und Optionen schnell und entschlossen reagieren zu können". Schaeffler hatte bei der Übernahme von Conti zwar weitreichende Bestandsgarantien gegeben, Unternehmenskreise berichten allerdings von konkreten Sondierungsgesprächen zumindest über den Verkauf des europäischen Reifengeschäfts. Sollte der Finanzmarkt solche Deals in Milliardenhöhe wieder ermöglichen, könnte eine derartige Transaktion vollzogen werden, heißt es. Eine weitere Konsolidierung des Marktes halten Branchenkenner für unumgänglich.

Nach einem deutlichen Einbruch im Segment der PKW-Reifen und gesunkenen Renditen durch hohe Rohstoffkosten stehen mittlerweile selbst Absatz und Margen im früher besonders profitablen Geschäft mit Spezialreifen für LKW und Baumaschinen unter Druck. Im Jahresvergleich sei der Markt für LKW-Ersatzreifen europaweit um zehn Prozent geschrumpft, hatte Henry Johnson, Europa-Chef der LKW-Reifensparte des Continental-Konkurrenten Goodyear, dem Handelsblatt vergangene Woche gesagt. Auch Johnson rechnet mit einer weiteren Konsolidierung des Marktes. Konkretes Interesse für Contis Reifengeschäft hatte zuletzt Michel Rollier, Chef des weltgrößten Reifenherstellers Michelin, angemeldet.

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