Neue Triebwerke
Airbus renoviert seinen Bestseller

Um in seinem wichtigsten Marktsegment vorne zu bleiben, verpasst der Flugzeughersteller seinem Bestseller A320 nun neue Triebwerke - denn neue Wettbewerber lauern bereits. Laut Experten halten sich die Entwicklungskosten für die Neu-Motorisierung sogar in Grenzen.
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PARIS/MÜNCHEN/FRANKFURT. Der europäische Flugzeughersteller Airbus will an seinem Bestseller A320 noch ein paar Jahre länger verdienen. Daher soll das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug neue Motoren bekommen, die den Kerosinverbrauch um bis zu 15 Prozent senken werden, wie Airbus gestern ankündigte. Im Frühjahr 2016 soll die erste Maschine ausgeliefert werden.

Mit der Neu-Motorisierung schlägt Airbus zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen setzen die Europäer Boeing unter Druck, sein Konkurrenzmodell 737 ebenfalls grundlegend zu überarbeiten oder ein ganz neues Flugzeug zu entwerfen, was Jahre dauern wird. Boeing hat nach eigenen Angaben dazu noch keine Entscheidung getroffen. "Boeing könnte 2020 mit einem komplett neuen Flugzeug kommen, dessen Rumpf aus Kohlefaser besteht", vermutet der Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongart.

Investitionen bleiben überschaubar

Zudem kann Airbus mit der Re-Motorisierung den Kunden eine spritsparendere A320 bieten, ohne das Risiko einer kompletten Neuentwicklung gehen zu müssen. Laut Airbus werden nun nur "begrenzte Modifikationen" bei Tragflächen und Triebwerksaufhängen nötig. Die Entwicklungskosten schätzen die Analysten des Brokers CM-CIC Securities auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro, 40 Prozent davon dürften Zulieferer erbringen. Die Entwicklung eines komplett neuen Flugzeuges würde mindestens zehn Milliarden Euro kosten.

Der Verkauf von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen ist für Boeing und Airbus wirtschaftlich von entscheidender Bedeutung. Beide Hersteller haben jeweils über 6 000 Flugzeuge dieser Kategorie verkauft. Und bis 2029 rechnet etwa Boeing mit einer Nachfrage von rund 21 000 Stück.

Die Bestseller kommen allerdings in die Jahre - die Lufthansa bekam ihre erste Boeing 737 zum Beispiel bereits im Jahr 1968. Daher drängen die großen Fluggesellschaften die Konstrukteure, in diesem Brot- und-Butter-Segment des Flugzeugbaus einen komplett neuen Nachfolger zu entwickeln.

Dies ist nach Ansicht von Nico Buchholz, dem Chefeinkäufer der Lufthansa, stets die effizienteste Lösung. Allerdings seien neue Motoren durchaus ein willkommener erster Schritt. Europas größte Fluggesellschaft hat derzeit mehr als 200 Flugzeuge der A320-Familie im Einsatz.

Die Airlines sollen bei der A320neo genannten Maschine zwischen zwei neuen, spritsparenden Triebwerken wählen können: Dem Leap-X-Triebwerk des Konsortiums Safran/General und dem PW1100G von Pratt & Whitney, an dem auch die Münchener MTU beteiligt ist.

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