Neue Wachstumsfelder
Yello steigt ins Gasgeschäft ein

EnBW-Vorstandschef Utz Claassen hat seine neue Wachstumsstrategie vorgestellt: Der Versorger wird über seine Billigstromtochter Yello Gas künftig auch außerhalb des EnBW-Stammgebietes vertreiben. Neue Wachstumsfelder sieht Claassen zudem in erneuerbaren Energien, dezentraler Energieerzeugung, Energieeffizienz und im türkischen Strommarkt.

juf DÜSSELDORF/KARLSRUHE. Der Versorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) will über ihre bundesweit tätige Billigstromtochter Yello künftig auch Gas anbieten. Yello werde zum ersten Oktober in „ausgewählten Marktarealen“ auch außerhalb des EnBW-Stammgebietes Gas vertreiben, kündigte Vorstandschef Utz Claassen am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Karlsruhe an. Claassen präsentierte den Aktionären eine neue Wachstumsstrategie, die neben dem Gasmarkt auch die Bereiche erneuerbare Energien, dezentrale Energieerzeugung, Energieeffizienz und den türkischen Strommarkt umfasst.

Nachdem der Vorstandschef nach seinem Amtsantritt vor vier Jahren dem Energiekonzern einen harten Sanierungskurs verordnet hatte, zahlreiche Randgeschäfte abstieß und die Kosten radikal senkte, schlägt er nun eine Vorwärtsstrategie ein. In der Zwischenzeit hat EnBW tatsächlich den Turn-around geschafft und in den vergangenen drei Jahren Rekordergebnisse ausgewiesen. Im ersten Quartal 2007 setzte sich der Aufwärtstrend fort. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) kletterte um 13 Prozent auf 630 Mill. Euro. Der Konzernüberschuss stieg ebenfalls um 13 Prozent auf 360 Mill. Euro.

Mit dem Gasangebot von Yello reagiert EnBW auf den neuen Wettbewerb im Direktvertrieb. Nachdem die Bundesnetzagentur die Bedingungen für die Nutzung fremder Netze vereinfacht und verbilligt hat, haben sich die Chancen verbessert, im Direktvertrieb etablierten Kommunalversorgern Kunden abzujagen. Für Yello, den einzigen bundesweit tätigen Anbieter, der sich in den vergangenen Jahren etabliert hat, ergeben sich dadurch zwar Möglichkeiten, er muss aber auch mit neuen Wettbewerbern rechnen. Eon hat jüngst die Tochter E-wie-einfach gegründet, RWE das Internetportal Eprimo übernommen. Sie konkurrieren mit Yello nicht nur um Stromkunden, sondern haben zum Teil – wie etwa Eon – bereits Gas im Angebot.

In der Sparte erneuerbare Energien hat Claassen ehrgeizige Ziele: Im Jahr 2020 soll EnBW mindestens 20 Prozent des Stromes aus regenerativen Quellen decken und damit die von der EU-Kommission ausgegebene Zielgröße erreichen. Die Aktivitäten bündelt der Konzern ebenso in einer neuen Tochtergesellschaft wie die Sparte dezentrale Energien. Hierzu zählen beispielsweise Anlagen zur Kraftwärmekopplung oder Brennstoffzellenheizgeräte.

Potenzial für Zukäufe sieht Claassen vor allem in der Türkei. EnBW will an den geplanten Bieterverfahren für drei Stromvertriebsgesellschaften teilnehmen. Das Unternehmen dürfte dort aber mit Branchenprimus Eon konkurrieren, der die Türkei ebenfalls als Wachstumsmarkt identifiziert hat und ebenfalls zukaufen will.

Kritischen Fragen musste sich der Vorstand zum Verkauf der Tochter Apcoa stellen. Die EnBW hatte den Parkhausbetreiber 2004 im Zuge der Sanierung für 265 Mill. Euro an die Beteiligungsgesellschaft Investcorp verkauft. Diese strich im Februar 2007 beim Weiterverkauf 885 Mill. Euro ein. EnBW-Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann räumte ein, dass EnBW nach dem „signifikanten Kaufpreisunterschied“ ein KPMG-Gutachten angefordert habe. Dieses habe die Preisunterschiede aber plausibel gemacht.

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