Neue Werke
Gießereien investieren wieder in Deutschland

Erstmals seit fast 20 Jahren werden in Deutschland wieder Gießereien gebaut. Die anhaltend gute Wirtschaftslage der Branche sowie die sehr hohe Nachfrage aus der Autoindustrie und dem Maschinenbau treibt die Branche zum Bau neuer Werke. Auch für die nächsten Jahre sind die Aussichten der Branche gut.

DÜSSELDORF. So baut der Windanlagenhersteller Enercon in der Nähe von Aurich in Ostfriesland eine eigene Eisengießerei und wird von 2009 an Gussteile im Gesamtgewicht von 20 000 Tonnen produzieren, aber weiter mehr als das Doppelte bei anderen Herstellern zukaufen. Auch Bard Engineering nimmt den Boom der Windkraft zum Anlass, um 50 Mill. Euro in den Bau einer Gießerei für Offshore-Windturbinen zu investieren. Die Silbitz Guss erweitert ihre Gusskapazitäten von bisher 24 000 Tonnen jährlich um 15 000 Tonnen durch den Bau einer Gießerei in Zeitz in Sachsen-Anhalt. Bisher hat die Branche trotz der hervorragenden Wirtschaftslage lediglich die Kapazitäten erweitert, war aber vor dem Bau neuer Werke zurückgeschreckt.

Die 265 meist mittelständischen Gießerei-Unternehmen in Deutschland, die vorwiegend Eisen und Stahl gießen, arbeiten an der Kapazitätsgrenze und erwarten für die nächsten Jahre keinen Konjunktureinbruch. "Wir liefern in die Bereiche, die die Globalisierung treiben", sagte Kay-Uwe Präfke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Gießereiverbandes, dem Handelsblatt. So sind die Hauptabnehmer der Gießereien mit einem Anteil von rund 80 Prozent die Autoindustrie und der Maschinenbau.

Für die nächsten zehn Jahre erwartet die Industrie ein Wachstum von durchschnittlich jeweils drei Prozent. 2007 stieg die Produktion um 5,9 Prozent auf 4,8 Millionen Tonnen, der Produktionswert um 8,3 Prozent auf 7,9 Mrd. Euro. Die Branche hätte noch mehr verkaufen können, doch die Kapazitäten geben nicht mehr her. Der Auftragsbestand lag Ende des Jahres knapp 30 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Wer heute ein Gussprodukt bestellt, muss im Durchschnitt sechs bis sieben Monate warten.

Die mittelständisch geprägte Branche hat nach Aussage von Präfke ihren Marktanteil in Europa weiter ausgebaut und ist jetzt etwa doppelt so groß wie die von Frankreich als der Nummer zwei. "Wir gewinnen Aufträge bei der Autoindustrie in Frankreich und Italien, weil diese Länder zu wenig in neue Technologien investiert haben", sagte der Hauptgeschäftsführer. Der Exportanteil ist stetig auf rund 32 Prozent gestiegen. Etwa ein Drittel der Exporte gehen in die Länder außerhalb der Europäischen Union.

Die gute Auftragslage hat die Erträge der Branche verbessert. War früher eine Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent vor Steuern die Regel, so sind es jetzt im Durchschnitt sechs Prozent. "Dabei sind die Unterschiede aber sehr groß", sagt Präfke. Wer Massenware an die Autoindustrie liefert, ist schlechter dran als Gießereien, die Spezialteile an den Maschinenbau liefern.

Die stark gestiegenen Preise für Schrott, das Haupteinsatzprodukt der Gießereien, belasten die Branche dagegen nicht. Die Preiserhöhungen können die Gießereien als Zuschläge an die Kunden weitergeben. Das akzeptiert inzwischen auch die Autoindustrie wieder.

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