Neue Zahlen
Industrieaufträge sinken weiter im Rekordtempo

Die deutsche Industrie gerät immer tiefer in den Abwärtssog der weltweiten Wirtschaftskrise. Wegen des wegbrechenden Auslandsgeschäfts mussten die Firmen im Januar das größte Auftragsminus seit der Wiedervereinigung hinnehmen.

HB BERLIN. Sie sammelten saisonbereinigt 35,2 Prozent weniger Bestellungen ein als vor Jahresfrist, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Auch zum Dezember war das Minus mit acht Prozent deutlich stärker als erwartet. Experten hatten nur mit einem Rückgang um 2,2 Prozent gerechnet. Ökonomen fürchten, dass die Konjunktur im ersten Quartal ähnlich stark einbrechen könnte wie Ende 2008.

„Die kräftige Abwärtsentwicklung der Bestelltätigkeit setzt sich fort“, erklärte das Ministerium. Trotzt ungewöhnlich vieler Großaufträge brach vor allem das Auslandgeschäft ein, wo die Bestellungen um 11,4 Prozent sanken. Von außerhalb der Euro-Zone trafen sogar 18,2 Prozent weniger Aufträge ein, aus dem Währungsraum gab es nur einen Rückgang von 1,2 Prozent. Die Inlandsorders gingen um 4,3 Prozent zurück. „Der Crash der globalen Konjunktur hinterlässt heftige Spuren in der deutschen Industrie“, sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Dies werde die Produktion in deutschen Fabriken in den nächsten Monaten nahezu lähmen.

Die großen Wirtschaftszweige wie Auto- und Maschinenbau hatten zu Jahresanfang bereits von kräftigen Einbußen berichtet. Die Chemieindustrie bereitet sich nach dem jüngsten Produktionseinbruch für 2009 auf ihr größtes Umsatzminus seit mehr als 20 Jahren vor. Die gesamte Exportwirtschaft befürchtet ihr schlechtestes Geschäftsjahr seit 1949. Deutschland - als Exportnation lange Gewinner des Aufschwungs - wird nun zum Verlierer des Abschwungs. „Da schlägt der synchrone globale Einbruch der Konjunktur zu Buche - alles, was in den vergangenen Jahren positiv war, schlägt nun negativ zurück“, sagte Jörg Lüschow von der WestLB.

Die kräftige Flaute spüren vor allem Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen, die lange vom weltweiten Boom profitierten. Ihr Neugeschäft schrumpfte binnen Monatsfrist um 9,1 Prozent, die Aufträge aus Ländern außerhalb der Euro-Zone brachen sogar fast um ein Viertel ein. Bei den Produzenten von Vorleistungs- und Konsumgütern lag das Auftragsminus bei 6,8 beziehungsweise 6,7 Prozent.

Die sich verschärfende Rezession der Industrie zieht die gesamte Wirtschaft weiter nach unten. „Nach diesen Zahlen steht fest, dass wir auch ein tiefrotes erstes Quartal sehen werden“, sagte Fabienne Riefer von der Postbank. Bei einer solch schwachen Auftragslage seien die Aussichten für die nächsten Monate sehr schlecht. Ende 2008 war die Wirtschaftsleistung mit 2,1 Prozent so stark geschrumpft wie seit 1987 nicht.

Vor diesem Hintergrund sieht die Europäische Zentralbank (EZB) weiter Spielraum für eine Lockerung ihrer Geldpolitik, wie EZB-Spitzenbanker Erkki Liikanen bekräftigte. „Bei diesen Daten dürfte die EZB ihren Leitzins weiter senken“, sagte Riefer. Trotz des Rekordtiefs von 1,5 Prozent sei das Ende der Fahnenstange wohl noch nicht erreicht.

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