Neuer Anlauf für LKW-Allianz
Piëch vor dem Sprung an MAN-Aufsichtsratsspitze

Auf der Hauptversammlung des MAN-Konzerns wollen drei Vertreter des neuen Großaktionärs Volkswagen in den Aufsichtsrat einziehen, darunter auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Er strebt an die Spitze des MAN-Kontrollgremiums. Das könnte die angestrebte LKW-Allianz zwischen MAN, Scania und dem LKW-Sektor von VW voranbringen.

HB DÜSSELDORF. VW will am Donnerstag die Führungsrolle bei MAN übernehmen. Auf der Hauptversammlung des Münchener Lastwagen- und Maschinenbaukonzerns stellt sich VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zur Wahl an die Spitze des Kontrollgremiums. VW-Nutzfahrzeugechef Stephan Schaller und Audi-Chef Rupert Stadler stellen sich ebenfalls zur Wahl in den MAN-Aufsichtsrat. Damit könnte VW seine Schlüsselstellung bei der Bildung einer Lkw-Allianz von MAN, Scania und der VW-Nutzfahrzeugsparte weiter ausbauen.

Angesichts starker Geschäftszahlen erhöhte MAN am Donnerstag seine Gewinnprognose und geht mit breiter Brust in die neuen Verhandlungen. MAN-Chef Hakan Samuelsson sagte, mit VW als größtem Aktionär von MAN und Scania gebe es „gute Voraussetzungen für eine einvernehmliche Lösung“. Der Versuch einer feindlichen Übernahme des schwedischen Lkw-Herstellers durch MAN war im Januar gescheitert.

„Vor uns steht nun die gemeinsame Suche nach einem neuen Weg zur Kombination von Scania, dem Lkw-Geschäft von VW und MAN auf gleicher Augenhöhe, in der jede Marke ihre eigene Identität behält“, sagte Samuelsson. Um auf den Wachstumsmärkten Fuß zu fassen, müssten sie Kompetenzen und Ressourcen bündeln und als börsennotierter europäischer Marktführer in eine globale Dimension wachsen.

Der Lastwagen- und Maschinenbaukonzern erhöhte seine Umsatz- und Gewinnprognosen am Donnerstag. Nach dem Rekordjahr 2006 wuchs der Umsatz von Januar bis April um elf Prozent auf 4,3 Mrd. Euro. Der Auftragseingang schnellte sogar um 21 Prozent auf 6,4 Mrd. Euro hoch, getragen vor allem von der Nachfrage nach Lastwagen. MAN peilt jetzt bis 2010 ein jährliches Umsatzwachstum von zehn Prozent und eine Umsatzrendite von 8,5 Prozent statt bisher geplanter 6,0 Prozent an.

Experten erwarten, dass Piëch trotz Kritik von Aktionärsschützern den Vorsitz im MAN-Aufsichtsrat übernimmt. Aktionärsschützer und Fondsmanager haben VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch vor seiner geplanten Wahl scharf angegriffen. Der neue Großaktionär VW habe beim Scheitern der Scania-Übernahme mit MAN gespielt und führe sich auf „wie die Axt im Walde“, sagte der Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Harald Petersen. Auch der Hermes-Fonds warnte vor Piëchs Einzug in den Aufsichtsrat.

Noch im Mai könnten die Gespräche über den LKW-Dreierbund beginnen, im Herbst könnte das Gerüst stehen, sagte der Analyst Gregor Claussen von der schwedischen SEB-Bank. Wahrscheinlich würden MAN, Scania und das südamerikanische LKW-Geschäft von VW in einer Dachholding als Europa-AG mit Sitz in den Niederlanden gebündelt.

Überlegungen von VW, auch sein renditeschwaches Geschäft mit Kleintransportern in das Bündnis einzubringen, werde wahrscheinlich am Widerstand der anderen Aktionäre von MAN und Scania scheitern. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf Piëch Kungelei und geheime Absprachen mit Gewerkschaftern vor, um eine Machtposition bei MAN aufzubauen. Er soll vorab versprochen haben, MAN nicht zu zerschlagen und keine Stellen abzubauen.

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