Neuer Besitzer Strabag wehrt sich gegen Vorwürfe der Arbeitnehmer – Zukunft von Züblin bleibt offen
Kahlschlag bei Walter Bau befürchtet

Vertreter der Arbeitnehmer und der IG Bau fürchten einen Kahlschlag bei dem insolventen Baukonzern. Entgegen früheren Versprechungen seien ein Großteil der rund 9 000 Arbeitsplätze bei Walter Bau akut gefährdet, heißt es.

cbu MÜNCHEN. Die österreichische Strabag, die große Teile von Walter Bau übernehmen will, dementierte dies entschieden.

Anfang Februar musste Walter Bau Insolvenzantrag stellen. Nach langem Ringen mit den Banken war es nicht gelungen, ein Fortführungskonzept zu erstellen. Der weitere Liquiditätsbedarf entpuppte sich zudem als unerwartet groß. Nur zwei Wochen später einigte sich Insolvenzverwalter Werner Schneider mit dem Strabag-Konzern, dass die Wiener große Teile von Walter Bau übernehmen und die meisten Arbeitsplätze sichern sollen. Nach ersten Ankündigungen wollten die Österreicher 4 100 Jobs erhalten, das Versprechen wurde aber bereits auf mindestens 3 000 Stellen abgeschwächt. Insgesamt beschäftigte Walter Bau zuletzt rund 9 000 Menschen.

Karl Bauer, Gesamtbetriebsratschef bei Walter Bau, sieht nun weitere Stellen gefährdet. Bei der Kerngesellschaft Walter Bau würden von 3 900 Stellen nur 700 erhalten bleiben, sagte er. Die Aufträge seien seit dem Insolvenzantrag drastisch eingebrochen. Orders von bis zu 400 Mill. Euro sind nach Angaben Bauers bereits verloren. Die Beschäftigten würden „in einem europäischen Machtpoker zum Spielball der Banken“, schimpfte Bauer.

Strabag dementierte dies aber entschieden. Die Wiener wollten weiter mindestens 3 000 Arbeitsplätze erhalten, sagte Finanzvorstand Thomas Birtel. „Wie die Aussagen zu Stande kommen, dass nur ein Bruchteil dessen gehalten werden kann, was versprochen wurde, kann ich nicht nachvollziehen,“ sagte Birtel. Strabag, in Besitz von Vorstandschef Hans Peter Haselsteiner und der Wiener Bankgruppe RZB, mit einer jährlichen Bauleistung von rund 5,6 Mrd. Euro beschäftigt rund 33 000 Mitarbeiter in Österreich, Deutschland und osteuropäischen Ländern.

Die Walter-Bau-Tochter Baugeräte Service GmbH mit 500 Mitarbeitern meldete gestern Insolvenz an. Offen ist nach wie vor die Zukunft des Stuttgarter Baukonzerns Züblin. Walter Bau ist in Besitz von knapp 54 Prozent der Züblin-Aktien. Das Paket soll nun verkauft werden. Interesse haben bereits Strabag und die Familie Lenz angekündigt. Letztere besitzt die übrigen Anteile an Züblin und wird vom US-Finanzinvestor DB Zwirn unterstützt. Möglicherweise gibt es weitere Interessenten. Eine schnelle Entscheidung wird nicht erwartet. „Das wird sich noch hinziehen“, hieß es in Bankkreisen. Ein Sprecher der Familie Lenz erklärte am Montag, ein Angebot werde erst „in wenigen Wochen“ abgegeben.

48,7 Prozent an Züblin hat sich die Bayern LB, eine der großen Kreditgeber von Walter Bau, als Pfand gesichert. Zudem ist nachrangig offenbar ein Bankenpool unter der Führung der Deutschen Bank mit der Züblin-Beteiligung gesichert. „Das ist nicht unüblich“, hieß es dazu. Ein weiter gehendes Mitspracherecht beim Verkauf hat die Deutsche Bank damit aber offenbar nicht. Dem Vernehmen nach tendiert Insolvenzverwalter Schneider, der aus der Insolvenzmasse weitere knapp fünf Prozent an Züblin verkaufen kann, zu Strabag. Die Bayern LB hat sich dagegen noch nicht fest gelegt. Es gebe keine Präferenz, sondern es soll eine für das Unternehmen „sinnvolle und tragfähige“ Lösung angestrebt werden, hieß es in Bankkreisen.

Die Bayern LB will einen möglichst hohen Verkaufspreis erzielen, um damit einen Teil der Kredite an Walter Bau abzudecken. Zudem wird darauf verwiesen, dass Bayern-LB-Chef Werner Schmidt gute Beziehungen nach Stuttgart hat. Schmidt war früher Vorstandschef der Landesbank Baden-Württemberg, der Hausbank von Züblin.

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