Neuer Chef
Airbus probt den Neustart

Thomas Enders hat die Aufgabe des Airbus-Chefs einmal ganz pragmatisch beschrieben: „Es geht darum, das größte Auftragsbuch der Industrie in profitables Wachstum umzusetzen“. Den Job, den er Ende des Jahres antritt kennt er gut: Zwei seiner Vorgänger hat er als EADS-Chef in den vergangenen 15 Monaten vor die Tür gesetzt. Jetzt steigt er selbst auf den Schleudersitz.

MÜNCHEN. Airbus, das Herz einer gemeinsamen europäischen Industriepolitik, steckt tief in der Krise. Doch nicht die fehlenden Aufträge sind das Problem, denn der Flugzeugbauer hat Bestellungen für über 200 Milliarden Euro in den Büchern. Die Luftfahrtindustrie brummt, und die Fluggesellschaften ordern Passagierjets in bisher nicht gekannten Stückzahlen. Bis zu 20 000 Maschinen mit mehr als 100 sitzen sollen in den kommenden 20 Jahren verkauft werden, schätzt Airbus-Konkurrent Boeing. grob den Markt. Die Europäer wollen davon die Hälfte abhaben. Und es seiht gut aus: Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget sammelten die Europäer 400 Neubestellungen ein, dass selbst Boeing-Chef Jim Mc Nerney zu dem Airbus-Erfolg gratulierte.

Die Airbus-Probleme sind hausgemacht. Zweimal mussten die Europäer binnen zwölf Monaten die Auslieferung ihres Prestigeprojektes A 380 verschieben. Deutsche und Franzosen arbeiteten mit unterschiedlicher Software, bei der Verkabelung brach das Chaos aus. Fünf Milliarden Euro und viel Reputation kostest das Desaster A 380 den Mutterkonzern EADS. Die Produktion hochzufahren, wird eine Hauptaufgabe des neuen Airbus-Chefs. Immerhin soll noch in diesem Jahr die erste Maschine ausgeliefert werden.

Für die Zukunft mindestens so entscheidend ist aber das Langstreckenflugzeug A 350. Die Maschine ist kleiner als die A 380, bedient aber einen viel größeren Markt. Boeing hat die Lücke frühzeitig erkannt und mit der 787 „Dreamliner“ ein Flugzeug mit völlig neuen Eigenschaften entwickelt. Schon vor dem Erstflug im September ist die Maschine 600 mal verkauft. Airbus reagierte zu spät. Der erste Entwurf der A 350 fiel bei den Kunden glatt durch. Jetzt konstruieren die Europäer einen völlig neues Modell. Die neue A 350 fliegt aber frühestens 2013 und kostet statt fünf jetzt elf Milliarden Euro in der Entwicklung.

Der Hoffnungsträger soll Airbus in ein neues Zeitalter führen. „Wir müssen schneller, effektiver und schlanker produzieren“, fordert Enders. Eine Rosskur mit dem Namen „Power 8“ soll Airbus bis 2010 fit für den Wettbewerb mit Boeing machen. von 56 000 Arbeitsplätzen in Europa fallen 10 000 weg, zwei Milliarden Euro Kosten pro Jahr eingespart werden. Denn auch die Dollarschwäche macht den Europäern schwer zu schaffen. Airbus produziert fast ausschließlich im Euroraum, abgerechnet werden die Flugzeuge aber in Dollar. Ohne das Sanierungsprogramm, so hat das Investmenthaus Lehman Brothers ausgerechnet, lässt sich die A 350 in Europa gar nicht profitabel fertigen.

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