Neuer Chef bei Shell: Üppige Gewinne der Ölriesen versiegen

Neuer Chef bei Shell
Üppige Gewinne der Ölriesen versiegen

Der vergleichsweise niedrige Ölpreis macht den Energieriesen zu schaffen – die ersten Konzerne melden Gewinneinbußen. In diesem schwierigen Umfeld verliert Shell jetzt auch noch seinen Vorstandschef.
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DüsseldorfDer britisch-niederländische Ölkonzern Shell wartet mit einer Überraschung auf: Vorstandschef Peter Voser zieht sich bis 2014 von der Spitze zurück. Nun wolle er mehr Zeit für Familie und Privatleben haben, erklärte Voser. Der 54-Jährige leitet den Konzern seit 2009. Der Konzern werde sich sowohl intern als auch außerhalb nach einem Nachfolger umsehen, sagte eine Sprecherin.

Der Rückzug Vosers fällt in ein zunehmend schwieriges Umfeld für die Öl-Riesen der Welt: Bislang galten Shell, Exxon und Co. als zuverlässige Gewinnmaschinen. Doch die schwache Preisentwicklung bei Energieträgern wie Öl und Gas schmälern zunehmende die Gewinnmargen der großen Unternehmen. Steigende Ausgaben für die Förderung sowie die Entdeckung und Erschließung neuer Vorkommen verschärfen den Negativtrend.

Bislang können die Energie-Giganten die sinkenden Einnahmen in der Rohölförderung durch höhere Erträge im Raffineriegeschäft ausgleichen. So meldet Shell am Donnerstag sogar einen Gewinnanstieg auf 7,5 Milliarden Dollar von 7,3 Milliarden im Vorjahresquartal. Der Konzern übertraf damit die Markterwartungen. Grund für den Anstieg waren hohe Einnahmen aus neuen Projekten sowie ein starker Handel. Der Konzernumsatz sank dagegen von 119,92 auf 112,81 Milliarden Dollar. Die Shell-Aktie notiert in London 0,9 Prozent im Plus. Auch Exxon hatte zum Jahresauftakt weiter gut Erträge gemeldet. BP übertraf sogar die Erwartungen der Experten.

Doch bei anderen Konzernen der Branche zeichnet sich bereits eine Wende zu mageren Zeiten ab. So hat der norwegische Energiekonzern Statoil wegen der schwankenden Öl- und Gaspreise sowie Problemen in der Produktion zu Jahresbeginn deutlich weniger verdient. Belastet wurde die Quartalsbilanz zudem durch die Attacke von Terroristen auf ein Gasfeld in Algerien im Januar.

Der operative Gewinn fiel im ersten Quartal 2013 um 28 Prozent auf umgerechnet rund 5,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Damit wurden die Markterwartungen deutlich verfehlt. Konzernchef Helge Lund erklärte dies unter anderem damit, dass mehrere Öl- und Gasfelder weniger Kapazität lieferten. An der Börse büßten Statoil-Aktien mehr als drei Prozent ihres Wertes ein.

Zuvor hatte auch der US-Konzern Chevron im ersten Quartal unterm Strich einen Gewinn von 6,2 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) gemeldet. Das waren fünf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Beim französischen Rivalen Total fiel der Gewinn sogar um die Hälfte auf 1,5 Milliarden Euro. Hier kamen erschwerend Produktionsausfälle in der Nordsee und der kostspielige Ausstieg aus dem kanadischen Ölsandprojekt Voyageur hinzu. Analysten bezeichneten die Ergebnisse als enttäuschend. Der Preis für Öl der Sorte Brent lag in den ersten drei Monaten im Schnitt um fünf Prozent unter dem des Vorjahresquartals.

Die schwache Preisentwicklung macht zudem Investitionen unattraktiv. Im harten Konkurrenzkampf um die raren Vorkommen investiert etwa Shell Milliarden in die Suche nach neuen Ölfeldern. Analysten zufolge gibt der Konzern dafür mehr aus als andere. Von Erfolg gekrönt war dies bislang aber nicht. So investierte Shell allein in der Arktis seit 2006 fünf Milliarden Dollar, ohne dass bislang auch nur ein Bohrloch fertiggestellt wurde. Auch in Nigeria, wo die Bohrungen wegen Umweltschäden ebenfalls umstritten sind, stieß Shell auf Schwierigkeiten.

Mit Material von Reuters und Bloomberg.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

Kommentare zu " Neuer Chef bei Shell: Üppige Gewinne der Ölriesen versiegen"

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  • Liebes HB, für diese Art der Headline und Berichterstattung haben die Allermeisten sicherlich nicht viel übrig!!!

  • Sorry, aber diese Form der Berichterstattung ist doch lächerlich: Die Überschrift spricht von "versiegen"... und dann macht im Text das eine große Unternehmen weiterhin dicke Milliardengewinne mit ein paar Wölkchen am Himmel, das andere Unternehmen verdient nur noch rd. 4.800.000.000 Euro im Quartal (!!!) und das Dritte hat es echt hart getroffen mit 1.500.000.000 Euro.

    Natürlich waren die Analysten enttäuscht - das sind sie immer!

    Liebes Hb - schon mal was von differenzierter Berichterstattung gehört?

  • Meine Sorge, daß einer der Ölgiganten Insolvenz anmelden muß ist hoffentlich unbegründet.

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