Neuer Chef
Siemens im Sonnenschein

Siemens-Aufsichtratschef Gerhard Cromme gelingt ein Coup: Trotz brodelnder Gerüchteküche ahnte bis zum Sonntagnachmittag niemand, wer Nachfolger von Klaus Kleinfeld wird. Mit dem Pharma-Manager Peter Löscher wurde es ein nahezu unbekannter Branchenfremder. Wie es zu der Wahl kam. Ein Handelsblatt-Report.

MÜNCHEN. Ein Tag wie gemalt: Die Sonne über München strahlend klar, königsblau das Firmament, sauber die Luft. Auch die zartrosa getünchte Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz ist in dieses reine, südliche Licht getaucht, als habe der Himmel dafür Vorsorge getroffen, dass sich ein magischer Augenblick ereigne.

Um 14.23 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit geschieht es. Gleißendes Licht, fünf grauhaarige, relativ unauffällige Gestalten, in der Mitte ein großer Mann mit roter Krawatte und weißem Einstecktuch zum dunkelgrauen Maßanzug. Ganz schnell sind die fünf die neun Stufen der Freitreppe vor dem Palais Ludwig Ferdinand herunter, dann stehen sie da, und blinzeln in die Kameras. Es ist der personifizierte Neubeginn, ihm wohnt der Zauber des Anfangs inne.

In der Mitte Gerhard Cromme, der größte. Er ergreift vorsichtig das Wort und gestattet sich trotzdem Eigenlob: Es sei gelungen, innerhalb einer vergleichbar sehr kurzen Zeit eine Persönlichkeit zu finden, die hohen internationalen Respekt und Erfahrung mitbringe. Der so Angesprochene steht ganz links von Cromme, neben Berthold Huber, dem jetzt so einflussreichen zweiten Vorsitzenden der IG Metall.

Auch Peter Löscher trägt einen unauffälligen dunkelgrauen Anzug, vielleicht hat ihm der Vorstellungsmarathon der letzten Stunden ein wenig mitgenommen. Stramm hält er die Hände gestreckt, gestattet sich keine Bewegung. Das wirkt nach aller Unruhe, die seinen neuen Arbeitgeber in den vergangenen Wochen erfasst hat, wie vornehme Zurückhaltung. Schließlich ist er die Sensation, wenn man so will: Niemand hatte ihn auf der Liste, nur wenige kennen ihn, Peter Löscher, neuer Siemens-CEO.

Zweiter Neuer im Vorstand

Erst Cromme, dann Löscher. Ein kurzes Statement von ihm, das klingt fast nach Heimat. Der Mann ist in Kärnten geboren, das hört man ihm noch leise an. Er hat in Wien, Hongkong und in Harvard studiert. Er war bei Aventis und GE, zuletzt bei Merck, eine internationale Größe. „Ich reihe mich heute unter 475 000 stolze Siemensianer ein, es ist eine große Ehre und eine große Verantwortung, den Vorstandsvorsitz dieses Weltkonzerns zu übernehmen.“ Er sagt noch etwas von Deutschland, der Gesellschaft, den Interessen der Kunden, denen er dienen will. Passt scho.

Vor allem deshalb, weil nicht nur Löscher ein Schachzug ist. Sein neuer Kollege im Zentralvorstand ist mit von der Partie in der Sonne, Heinrich Hiesinger. Er übernimmt nicht nur die Aufgaben des im Skandal gestrauchelten Johannes Feldmayer, sondern wird auch neuer Arbeitsdirektor, als Nachfolger des scheidenden Jürgen Radomski. Hiesinger wird damit unbestreitbar eine Macht im Konzern, er ist Crommes Signal nach innen: Hiesinger, Siemensianer durch und durch, ist bei allem Neuanfang ein großes Stück Kontinuität.

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