Neuer Chrysler-Chef
Thomas LaSorda – Der Kostenkiller aus Kanada

Tom LaSorda konnte seiner Bestimmung nicht entgehen. Er hat einen langen Umweg gemacht – und ist dann doch bei Chrysler gelandet. Der US-Autokonzern ist so etwas wie ein Familienerbe der LaSordas.

PORTLAND. Tom LaSorda konnte seiner Bestimmung nicht entgehen. Er hat einen langen Umweg gemacht – und ist dann doch bei Chrysler gelandet. Der US-Autokonzern ist so etwas wie ein Familienerbe der LaSordas: Sein Vater Frank war von 1977 bis 1982 Gewerkschaftsführer im kanadischen Chrysler-Werk in Windsor. Seine Schwester und sein Schwager arbeiten dort heute noch. Frank LaSorda trug Anfang der 80er Jahre zur Rettung des Unternehmens vor der drohenden Pleite bei, indem er die Mitglieder der Canadian Autoworkers Union (CAW) überzeugte, 600 Mill. Dollar an Lohnkürzungen zu akzeptieren.

Sein Sohn Tom kam vor fünf Jahren von General Motors (GM) zu Chrysler, als der Konzern erneut auf dem Weg in den Abgrund war. Zusammen mit Dieter Zetsche und Wolfgang Bernhard brachte er als Produktionschef das Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen. Aber 35 000 Beschäftigte – fast 28 Prozent der Belegschaft – mussten gehen. Für den Sohn einer eingefleischten Gewerkschafterfamilie war das keine leichte Entscheidung. „Tommy ist völlig aus der Art geschlagen“, scherzt Buzz Hargrove, Vorsitzender der CAW.

Der heute 51-jährige Tom LaSorda wurde in Windsor in der kanadischen Provinz Ontario geboren. Von hier aus kann man die Lichter der Autostadt Detroit auf der anderen Seite des Flusses sehen. Zusammen mit acht Geschwistern wuchs er in einem 90-Quadratmeter-Haus auf. Während seiner Schulzeit arbeitete er in den Sommerferien mit seinem Vater im Chrysler-Werk – die Erfahrung machte ihm klar, dass er lieber Manager werden wollte.

Tom studierte Naturwissenschaften, und nach seinem Bachelor heuerte er 1977 bei GM an. Dort verdiente er sich seinen Lebensunterhalt, während er nebenher Betriebswirtschaft studierte. 1980 bekam er seinen MBA von der Universität Windsor. Dreiundzwanzig Jahre blieb er bei GM und wurde Experte für schlanke Fertigung nach japanischem Vorbild. Unter anderem leitete er die Cadillac-Produktion.

Aus dem Dunstkreis von Detroit entfernte er sich nur einmal, als seine Bosse ihn nach Eisenach schickten. Von 1991 bis 1993 war er Präsident der GM-Tochter Opel Eisenach GmbH und damit verantwortlich für zwei Pionierleistungen: Opel baute in Eisenach die erste Autofabrik in Westeuropa nach dem Fall der Mauer, und das Werk setzte weltweit für den US-Konzern neue Maßstäbe in schlanker Fertigung. Deutsch lernte er in der kurzen Zeit nicht, aber im Werk hängt immer noch sein Bild, und als geradliniger Manager ohne Allüren erwarb er sich den Respekt der Eisenacher.

Arroganz hasst LaSorda: „Man darf nie vergessen, dass man immer nur so gut ist wie die Leute, mit denen man zusammen arbeitet“, sagt er. „Und man darf nie seine Wurzeln vergessen.“ Dass Erfolg nur gut ist, wenn er hart und ehrlich erarbeitet wurde, hat er von seinem Vater gelernt. Er steht morgens zwischen 5.00 Uhr und 5.30 Uhr auf und ist vor sieben Uhr im Büro. Er gilt als Arbeitstier und begnadeter Kostenkiller. Als Chrysler ihn 2001 abwarb, feierte ein Firmensprecher das als „großen Fang“.

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