Neuer Dreijahresplan
Volkswagen plant China-Offensive

Überraschend gibt Volkswagen nur einen Investitionsplan für die nächsten drei statt wie erwartet die nächsten fünf Jahre aus. Mit Rekordinvestitionen will der Konzern der Weltspitze ein Stückchen näher kommen.
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Wolfsburg/DüsseldorfDie Marschroute ist klar: Bis 2018 will Volkswagen zum größten Autokonzern der Welt aufsteigen - und so an Toyota und der Opel-Mutter General Motors vorbeiziehen. Gemeinsam hat der Aufsichtsrat um den Firmenpatriarch Ferdinand Piëch dafür heute einen Drei-Jahresplan mit Milliardeninvestitionen beschlossen, der die Wolfsburger ihrem Ziel ein Stückchen näher bringen und die jährliche Produktion auf zehn Millionen Einheiten schrauben soll.

Ursprünglich wurde heute mit einem Plan für die kommenden fünf Jahre gerechnet. "Es gibt viele globale Unsicherheiten derzeit", sagte Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, der VW-Aktien zum Kauf empfiehlt, zu der Änderung des Planungshorizonts. "Es könnte sein, dass der Konzern deshalb einen gewissen Grad an Flexibilität, mehr als in der Vergangenheit, haben will."

In den nächsten drei Jahren wollen die Wolfsburger 50,2 Milliarden Euro in ihre zwölf Marken investieren. Von 2013 bis 2015 will VW fast 25 Milliarden Euro allein in neue Automobile und Varianten stecken. 60 Prozent der Sachinvestitionen sollen allein auf die 27 deutschen Standorte entfallen. „Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds investieren wir mehr als jemals zuvor“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn.

Waren in der bisherigen Planung einschließlich Entwicklungskosten jährlich 12,5 Milliarden vorgesehen, so klettert diese Summe nun auf 16,7 Milliarden Euro pro Jahr. Von den bis 2015 geplanten Sachinvestitionen von 39,2 Milliarden Euro will VW mehr als die Hälfte in Deutschland ausgegeben. "Wir bei Volkswagen stehen zum Industriestandort Deutschland", fügte der VW-Chef mit einem Seitenhieb auf Opel hinzu, der über Werksschließungen diskutiert. Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte die Entscheidung als "klares Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bei Volkswagen gerade angesichts des schwierigen Umfelds in der Automobilindustrie".

Auch die Kosten sollen durch die neue Baukastentechnik deutlich sinken. „Der Kostensenkungsdruck ist definitiv höher in diesen schwierigen Zeiten, aber wir müssen weiter investieren um unsere Wachstumsziele zu erreichen", sagt Audi-Betriebsratschef Peter Mosch der Nachrichtenagentur Reuters. China soll dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Zusätzliche 9,8 Milliarden Euro will Volkswagen in Fernost investieren. Für die volle Werbeoffensive wurde jüngst der chinesische Starpianist Lang Lang als Markenbotschafter verpflichtet. Mit den Partnern SAIC Motor und FAW Group Autos vier neue Werke eröffnen. Seit Beginn des Jahres hat VW seinen Absatz in China um mehr als 18 Prozent auf zwei Millionen Autos gesteigert. Bis 2018 werde die jährliche Kapazität von Volkswagen in China mindestens vier Millionen Fahrzeuge betragen.

Ob das für die Krone reicht, ist allerdings fraglich. Aus Asien wird der Führungsanspruch von VW gleicht doppelt infrage gestellt. Der koreanische Hersteller Hyundai-Kia und der ewige Konkurrent Toyota streben ebenfalls an die Spitze. Allein Toyota will in den nächsten drei Jahren 20 neue Modelle in China auf den Markt bringen.

In Europa ist die Führungsrolle der Wolfsburger dagegen noch unangefochten. Während die Konkurrenz aus Südeuropa mit der Krise auf dem Heimatmarkt kämpft, konnte Volkswagen noch Marktanteile  gewinnen und die Produktion international ausbauen. Dafür will der Aufsichtsrat die langfristigen Investitionen auf einem hohen Niveau halten – oder sogar weiter steigern.

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  • VW ist der grösste deutsche Autobauer und mit solchen Offensiven wird er es auch weiterhin bleiben. Die Medien berichten immer nur von den Auto-Produzenten und selten von deren Lieferanten, wobei sie beim Wertschöpfungsprozess eine wichtige Rolle spielen. Die Schaeffler Gruppe, Deutschlands grösster Zulieferer präsentierte viele Innovationen dieses Jahr und es werden auch in neue Werke in den heutigen Wachstumsmärkten wie China und Russland investiert.

  • Das mag für Sie zutreffen, ist aber nur Ihre ganz persönliche Meinung. Andere als "Volldeppen" zu bezeichnen, weil sie - wie ich - Spaß am Auto fahren haben und mit Schrottschüsseln wie Dacia, Kia oder wie der ganze Murks heisst nix am Hut haben, ist armselig und zeugt von ausgeprägter Intoleranz. Dennoch: Ich gönne Ihnen Ihre Freude beim Dacia fahren. Jedem das seine.

  • Hochmut kommt vor dem Fall....

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