Neuer Eigentümer Cerberus streicht 330 Stellen
US-Investor übernimmt Zulieferer Peguform

Die US-Investmentgesellschaft Cerberus übernimmt die Mehrheit am insolventen südbadischen Autozulieferer Peguform. Ein entsprechender Kaufvertrag wurde am Mittwoch von Vertretern des New Yorker Unternehmens und Insolvenzverwalter Jobst Wellensiek in Frankfurt unterschrieben.

hz FRANKFURT/M. Über den Kaufpreis für das Unternehmen aus Bötzingen bei Freiburg, das rund 1,4 Mrd. Euro Umsatz macht, vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Branchenexperten schätzen, dass der US-Investor eine Summe im dreistelligen Millionen- Euro-Bereich auf den Tisch legen musste.

Wellensiek, der vom Bankhaus Rothschild beraten wurde, verhandelte seit Juli exklusiv mit dem US-Investor, der erst kürzlich zusammen mit Goldman Sachs für einen Milliardenbetrag die Berliner Wohnungsbaugesellschaft GSW erworben hatte. Cerberus hatte massive Einsparungen bei dem Autozulieferer als Bedingung für seinen Einstieg gemacht. Erst eine Einigung mit dem Betriebsrat über Personalabbau und ein Sparpaket machte nun den Weg für den Kauf frei. Demnach müssen rund 330 der etwa 5 500 Beschäftigten gehen, allein 220 Stellen davon am Hauptsitz in Bötzingen, sagte Peguform-Betriebsrat Gerhard Amann. Zudem werde durch Kürzung von Lohnbestandteilen und Flexibilisierung der Arbeitszeit die Kosten um 40 Mill. Euro gedrückt. Im Gegenzug sprach Cerberus eine Stellengarantie für die kommenden fünf Jahre aus.

Auch große Autozulieferer wie Magna und Valeo sowie das chinesische Unternehmen Shanghai Fosum High Technology Group hatten Interesse an Peguform gezeigt, waren jedoch im Laufe der Verkaufsverhandlungen abgesprungen. Cerberus habe den höchsten Preis geboten, betonte Wellensiek. Die Belegschaft hätte allerdings den Einstieg eines industriellen Partners bevorzugt. Der Vorsitzende der Peguform-Geschäftsführung, Jens Banaschek, betonte, dass das Hauptziel erreicht worden sei, den Zulieferer als selbstständiges Unternehmen zu erhalten.

Peguform produziert für praktisch alle deutschen Autohersteller Kunststoffteile und Module für die Innen- und Außenausstattung der Wagen. Der Zulieferer war im Jahr 2002 – von seinem damaligen Mutterkonzern aus den USA, Venture Industries, ausgeplündert – Pleite gegangen, wurde aber mit einem Massekredit über mehr als 100 Mill. Euro von mehreren Autoherstellern, darunter Daimler-Chrysler, VW, BMW und Porsche, vorübergehend gerettet.

Für Peguform endet mit dem Verkauf eine durch die Insolvenz seit zwei Jahren anhaltende Unsicherheit, die auch Anschlussaufträge gekostet hatte. Bereits eingebüßt hat Peguform den Auftrag für die Produktion der Hecktür der Mercedes- A-Klasse sowie die Herstellung von Stoßstangen für den Porsche Boxster.

Der US-Investor Cerberus ist spezialisiert auf die Sanierung angeschlagener Unternehmen, um sie wenige Jahre später wieder zu veräußern. Auch für Peguform sei ein Börsengang mittelfristig nicht ausgeschlossen, heißt es. Cerberus verstärkt den Trend von Übernahmen durch Finanzinvestoren im Autozulieferersektor. Bereits 2003 gingen 45 Prozent des Übernahmevolumens im dem Segment auf das Konto von Private-Equity-Investoren. In Deutschland übernahm kürzlich die Beteiligungsgesellschaft Montagu den Zulieferer Stabilus, Carlyle kaufte den Cabrio-Verdeckhersteller Edscha und Hg Capital übernahm WET Automotive. Von Honsel und Beru, zwei anderen Beteiligungen in der Branche, hat sich Carlyle dagegen wieder getrennt.

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