Neuer Eigentümer will das Unternehmen für die Börse fit machen
Jet Aviation geht in den USA auf Einkaufstour

Der Schweizer Flugzeugausrüster Jet Aviation begibt sich auf Einkaufstour. Das Unternehmen, das im August von der Besitzerfamilie Hirschmann an die Investmentgesellschaft Permira verkauft worden ist, kündigte gestern in Zürich an, möglichst noch in diesem Jahr die ersten Zukäufe zu machen.

ZÜRICH. Ziele sucht Jet-Aviation-Chef Heinz Köhli dabei insbesondere in den USA, wo das Unternehmen schwächer vertreten ist, als etwa im europäischen Markt. Bis zu 150 Mill. Dollar wolle er sich eine mögliche Übernahme kosten lassen. Jet Aviation hat sich insbesondere auf den Umbau und die Wartung von Flugzeugen spezialisiert, wie sie von reichen Kunden in Auftrag gegeben werden. Das Unternehmen beschäftigt allein an seinem Heimatstandort in Basel unter anderem rund 150 Schreiner, die Flugzeuge bis zur Größenordnung einer Boing 747 im Innenraum mit edelsten Hölzern auskleiden. Daneben verdient die Firma ihr Geld, indem sie Flugzeuge samt Personal vermietet oder etwa im Auftrag von Fluggesellschaften wie Air France oder Air Berlin die Abfertigung der Fluggäste organisiert.

Jet Aviation betreibt eine Flotte von 160 Flugzeugen, beschäftigt 3 500 Mitarbeiter und hat im vergangenen Jahr umgerechnet knapp 500 Mill. Euro umgesetzt. Der Betriebsgewinn liegt bei 40 Mill. Euro, Tendenz steigend. Der Preis, den Passagiere für die Dienstleistungen von Jet Aviation zahlen, liegt rund zehn Prozent über den Ausgaben für ein Business-Class-Ticket. Im Bereich Wartung ist die Lufthansa Hauptkonkurrent in Europa. Sie bietet insbesondere mit ihrem Technik-Bereich ähnliche Leistungen an.

Hemmschuh für eine schwungvolle Entwicklung bei den Schweizern waren bislang allerdings die Besitzverhältnisse. Die Firma, die 1967 von Carl Hirschmann gegründet worden war, gehörte bis zum August dieses Jahres seinen Nachkommen und litt unter den Auseinandersetzungen innerhalb der Familie. So platzte ein Verkauf an Permira im Jahr 2002 in letzter Minute.

Die Beteiligungsfirma blieb damals dennoch am Ball und konnte vor zwei Monaten schließlich die Kaufverträge unterzeichnen. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. Inzwischen haben auch die Wettbewerbsbehörden den Kauf genehmigt. Permira hat etwa mit ihrer Beteiligung am italienischen Luxusjachten-Hersteller Feretti gute Erfahrungen in einem vergleichbaren Segment gemacht.

Durch die Beteiligung von Permira sollen die Schweizer nun nach den Worten von Permira-Partner und Deutschland-Geschäftsführer Thomas Krenz in die Lage versetzt werden, vor allem durch Akquisitionen zu wachsen. Einen schnellen Ausstieg schloss Krenz nicht aus, er strebe ihn aber auch nicht an. Zuerst sollten die Zukäufe über die Bühne gegangen und ins Unternehmen integriert sein. „Dann ist Jet Aviation der ideale Börsenkandidat“, sagte Krenz. Innerhalb eines Jahres sei das allerdings kaum zu schaffen.

Ganz so, als sei man bereits auf Road-Show priesen Krenz und Köhli gestern dennoch bereits die Vorzüge des Geschäftsmodells der Schweizer. Die Abhängigkeit vom Ölpreis ist bei Jet Aviation zum Beispiel eher umgekehrt zu sehen als bei anderen Fluggesellschaften. Während der Rest der Branche stöhnt, kann Köhli den steigenden Ölpreisen vor allem Gutes abgewinnen: Seine Kunden, von denen viele im Nahen Osten zu finden sind, ordern aufwendigere Extras. „Ein hoher Ölpreis“, sagte Köhli, „verspricht mehr Liquidität für unsere Kunden.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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