Neuer Golf soll Wende bringen
Durststrecke bei VW hält an

Europas größter Autobauer Volkswagen konzentriert seine Hoffnungen nach einem herben Gewinneinbruch im ersten Halbjahr auf den neuen Golf. In den ersten sechs Monaten drückten die schwache Autokonjunktur in den USA und Europa, hohe Kosten für neue Modelle sowie der starke Euro das Ergebnis des Wolfsburger Konzerns unter dem Strich um 57,5 Prozent auf 596 Millionen Euro.

HB/dpa/rtr WOLFSBURG. Für das Gesamtjahr erwartet Volkswagen nach Angaben vom Freitag einen „deutlichen“ Rückgang des operativen Ergebnisses. Mit dem Golf, der im Herbst startet, will VW 2004 wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder sagte am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Analysten, Volkswagen blicke „sehr positiv“ auf 2004 und die folgenden Jahre. Gründe seien vor allem die neuen Modelle sowie „Optimierungen“ bei der Produktion. Auch das Geschäft in China werde weiter wachsen. Der künftige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch betonte, das Geschäft werde sich im zweiten Halbjahr 2003 verbessern. Der „Tiefpunkt“ sei das erste Quartal gewesen.

Auch im zweiten Quartal setzte sich allerdings die Durststrecke bei VW fort. Der Reingewinn halbierte sich auf 394 Millionen Euro. Dennoch stieg das VW-Papier bis zum Nachmittag um 1,71 Prozent auf 36,92 Euro.

Starker Euro belastet das Ergebnis

Das operative Ergebnis von VW rutschte im ersten Halbjahr um 51,8 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro, der Umsatz sank um 2,8 Prozent auf 42,83 Milliarden Euro. Nach Darstellung von VW waren die ersten sechs Monate insbesondere von Absatzrückgängen auf wichtigen Märkten und dem anhaltend hohen Kurs-Niveau des Euro gegenüber wesentlichen Währungen wie dem US-Dollar, dem britischen Pfund und dem japanischen Yen gekennzeichnet.

Allein der starke Euro belastete das Ergebnis in den ersten sechs Monaten mit 800 Millionen Euro. Volkswagen sichert - im Gegensatz zu den meisten anderen Autokonzernen mit hohem Exportanteil in den Dollarraum - traditionell nur rund 40 Prozent des entsprechenden Volumens über Termingeschäfte an den Devisenmärkten ab. Bei einem starken Euro wirkt sich dies negativ auf das Ergebnis aus.

VW zufolge haben zudem Anlaufkosten und Vorleistungen für neue Modelle das operative Ergebnis im ersten Halbjahr nach unten gezogen. Im ersten Halbjahr wendete Volkswagen rund 0,6 Milliarden Euro für die Einführung neuer Modelle auf. Nach 4,76 Milliarden Euro in 2002 werde das operative Ergebnis im Gesamtjahr 2003 deutlich zurückgehen - vor allem auf Grund von Sondereinflüssen durch Restrukturierungen in Brasilien.

An seiner Absicht, dort fast 4000 Stellen abzubauen, hält VW fest. „An unseren Plänen hat sich nichts geändert“, betonte Konzernsprecher Dirk Große-Leege am Freitag in Wolfsburg. Zuvor war aus Brasilien berichtet worden, dass die angekündigten Arbeitsplatzstreichungen auf großen Druck der Gewerkschaften zurückgenommen worden seien.

Hausgemachte Schwächen

Wie in Südamerika sank auch in anderen Absatzmärkten die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge zum Teil deutlich. Weltweit ging die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge um 1,6 Prozent auf 2,47 Millionen Stück. Einzig in Asien-Pazifik (plus 41,5 Prozent) verbuchte VW ein Plus. Alleine auf dem wichtigen Exportmarkt China verkaufte der VW-Konzern im ersten Halbjahr mit 323 500 Fahrzeugen 51,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In China will VW sechs Milliarden Euro investieren, um seine dortigen Produktionskapazitäten bis 2008 zu verdoppeln.

Auch der Boom-Markt China kann das Konzern-Ergebnis für das laufende Jahr aber nicht mehr retten. Die Autokrise legt vor allem auch hausgemachte Schwächen in der VW-Modellpolitik bloß. Vor allem der veraltete Golf IV fand zuletzt immer weniger Käufer. VW rechnet in diesem Jahr nur noch mit 700 000 verkauften Golf - nach 785 000 vor einem Jahr. Vom neuen Golf will das Unternehmen im nächsten Jahr 800 000 Stück verkaufen. Hoffnungen setzt VW auch auf die anderen neuen Modelle, den Geländewagen Touareg, den Mini-Van Touran sowie die Audi-Modelle A3 und A8.

Zudem will Volkswagen weiter an dem Sparkurs festhalten und 2003 durch Kostensenkungen rund eine Milliarde Euro einsparen. Bereits im ersten Halbjahr sanken die Investitionskosten für das laufende Geschäft um 422 Millionen Euro auf 7,28 Milliarden Euro.

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